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J. Henrich leitet jetzt Jugend- und Sozialabteilung im Kreis
Das Jugend- und Sozialamt des Landkreises Bad Dürkheim, mit über 80 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern die größte Abteilung im Kreishaus, hat einen neuen Leiter: Johannes Henrich (46) aus Deidesheim hat am 1. Januar diese Aufgabe übernommen. Er ist damit wieder ins „Mutterhaus“ zurück gekommen, nachdem er 2005 die Leitung der ARGE Deutsche Weinstraße mit Sitz in Neustadt und Außenstelle Grünstadt (zuletzt 102 Beschäftigte) übernommen hatte.
Der neue Chef über die große Zahl von Verwaltungsfachleuten und Sozialarbeitern ist durch und durch ein Spezialist für die Sozialverwaltung. Nach Abitur 1982 im Neustadter Kurfürst-Ruprecht-Gymnasium und Bundeswehrzeit begann er 1983 bei der Kreisverwaltung Bad Dürkheim seine dreijährige Ausbildung zum Beamten, fand eine erste Stelle im Sozialamt der Stadt/Weinstraße (Arbeitsfeld: Hilfe zum Lebensunterhalt/HLU)) und wechselte schon im Oktober 1987 wieder in die Sozialabteilung der Kreisverwaltung, wo er bis Ende 2004 tätig war. „Die gesamte Hilfe-Palette“ des Bundessozialhilfegesetzes (BSHG) hat der verheiratete Vater zweier Kinder in diesen Jahren hautnah mitbekommen und damit schon die Grundlagen für den neuen „Job“ gelegt.
Ab 1997 hatte er die Fachaufsicht über die Sozialhilfe im Landkreis. Damals gab es noch die Delegationsgemeinden in der Sozialhilfe, also im Kreis insgesamt zehn „Außenstellen“, die inhaltlich gleich waren und wo gemeinsam Problemlösungen bei Abrechnungen oder Projekten im Bereich Hilfe zur Arbeit notwendig waren. Alle zusammen standen 2004 auf Henrichs Initiative und Federführung kurz vor der Einführung einer gemeinsamen einheitlichen Software für die Sozialhilfe – da wurde Hartz IV geboren und alles wurde mit Einrichtung der ARGE anders. „Er hat diese Aufgabe gut bewältigt“, lobt Landrätin Sabine Röhl. „Die ARGE Deutsche Weinstraße gilt weithin als Vorbild.“ Die als unzureichend kritisierten Rahmenbedingungen hab er durch seine persönlichkeit und seinen Einsatz ausgeglichen. Die ARGE Deutsche Weinstraße habe eine überdurchschnittlich gute Vermittlungs- und Betreuungsquote, unterstrich die Landrätin. „Dazu trugen die sehr guten Kenntnis der Verhältnisse vor Ort bei.“
Im Rückblick auf die 5 Jahre ARGE bedauert Johannes Henrich sehr, dass die Politik im Bund bisher keine Lösung gefunden habe, die den Kommunen das ihnen zustehende Gewicht zur Gestaltung vor Ort verleihe. Er gibt zu, bei der ARGE deswegen ausgestiegen zu sein: „Ich finde dies unerträglich und unverantwortlich vom Bund, dass man mit einem Etat von 45 Milliarden Euro so umgeht . . .“ Fünf Jahre hätte der Bund Zeit gehabt, „hat nichts auf die Reihe gebracht. Ich bin als Beamter des Landkreises einfach enttäuscht. Man hat uns hängen lassen“. Wäre es anders gelaufen, Henrich hätte eine neue berufliche Herausforderung auf diesem Gebiet gesehen und sich neu engagiert. Die besten Voraussetzungen hätte er wieder gehabt: Johannes war auch überregional in den Gremien vertreten und Sprecher der ARGEn in Rheinland-Pfalz, hatte so immer Zugang zur aktuellen Entwicklung.
Die Kreisverwaltung kennt er natürlich, die Aufgaben und auch die meisten Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter – „auch wenn sich manches in den fünf Jahren hier verändert hat“. In den ersten vier Wochen konnte er die Feststellungen treffen, wo er jetzt selbst den Hebel ansetzen möchte. Als wichtige öffentliche Aufgabe sieht er weiterhin die Hilfe zur Pflege, „die ist chronisch unterfinanziert“, die Fälle nähmen zu. Er vermutet, das hier in Zukunft noch mehr Steuermittel in die Hand genommen werden müssen, um den Herausforderungen gerecht zu werden. Bei der Eingliederungshilfe für Behinderte sei Bewegung in allen Facetten zu sehen. „Integration ist eine wichtige Aufgabe, den Menschen die Teilhabe am Leben der Gemeinschaft zu sichern, das wird in Rheinland-Pfalz mit einer behindertengerechten Sozialpolitik sehr gefördert“, hat er die Erfahrung gemacht. Das gelte auch im schulischen bereich mit dem Versuch, behinderte Kinder in „normale“ Klassen zu integrieren.
Stark gewachsen fand er den Wohngeldbereich vor, was auf verschiedene Gesetzesnovellen zurück zu führen sei. So habe sich der Niedriglohnsektor ausgeweitet, die sozialversicherungspflichtigen Arbeitsverhältnisse hätten sich aufgesplittet – von Vollzeit- auf mehr Teilzeit-Jobs. Damit könne die Politik zwar mehr besetzte Arbeitsplätze melden, aber das gelte nicht im Gesamtvolumen. Mit dem sinkenden Lohnniveau könnten viele Menschen nicht mehr ihre Familien unterhalten. „Deshalb steigt ihr gesetzlicher Anspruch.“ Das gleiche ist es nach seiner Meinung mit dem Thema Grundsicherung im Alter. „Das ist eine echte Wachstumsbranche“, meint Johannes Henrich sarkastisch. Nachdem es kaum noch so genannte Lebensarbeitsplätze geben werde, haben sich viele Menschen nicht so große Renten- bzw. Versorgungs-Ansprüche erworben wie sie benötigten, um im Alter „über die Runden zu kommen“.
Ähnlich sehe es im Jugendbereich aus. Eltern hätten heute oft Schwierigkeiten, ihre eigene Lebensgestaltung in den griff zu bekommen. Es trete eine Überforderung ein, die Ansprüche an Arbeitsplatz und eigene Wünsche stiegen an – „und wenn dann noch Kinder hinzukommen, ist die Familie total überlastet. Die Kinder entwickeln dann Auffälligkeiten, die wir im Jugendamt wieder versuchen müssen in den Griff zu bekommen.“ Beim Haushaltsansatz für die Hilfe zur Erziehung sei zu sehen, wie sehr die Ausprägungen solcher Auffälligkeiten schon seien. Er steht zu der im Kreistag getroffenen Entscheidung, den Landkreis Bad Dürkheim in „Sozialräume“ zu unterteilen; denn wenn das Jugendamt vor Ort präsenter sein könne, würden schneller bessere Lösungsansätze gefunden, ist Henrich überzeugt. Wichtig werde die enge Vernetzung mit den Angebotsstrukturen in den Gemeinden.
Positiv sieht er hingegen die Situation im Bereich Kindertagesstätten: „Der Landkreis Bad Dürkheim ist hier sehr weit in seinen Vorbereitungen, auch den Kindern von 2 Jahren den Anspruch auf ihre Plätze zu erfüllen, was im August 2010 Gesetz wird.“ Nachholbedarf sieht er noch bei Tagespflegestellen, bei der Qualifizierung und Zertifizierung von Tagespflegeeltern. Hier sei ein neues Projekt in Planung.
Jugend und Soziales - 05.02.2010 - Manfred Letzelter
Muster-Widerspruch auf den Seiten des Bundesministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz (BMELV)