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Gleich mit zwei Schwerpunktthemen ist das neue Heimatjahrbuch 2010 des Landkreises Bad Dürkheim erschienen. „Beide Themen, die den 9. November zur Grundlage haben, fordern zum Nachdenken auf“, sagt Landrätin Sabine Röhl, „das Thema 20 Jahre Mauerfall lässt und Deutsche voll Freude auf 1989 zurück blicken; das andere schockt uns Deutsche immer nach 70 Jahren noch: Die Reichspogromnacht 1938.“ Dieses Gedenken konnte erst in diesem Buch verarbeitet werden. Das Heimatjahrbuch 2010 ist wieder im Verlag Englram & Partner in Haßloch erschienen, es kostet im Buchhandel weiterhin nur 8 €uro.
„Im freudigen Gedenken an den Tag, als die Mauer in Berlin durchlässig für DDR-Bürger wurde“, habe die Redaktion unter Leitung von Medienreferent Manfred Letzelter einige Geschichten ehemaliger DDR-Bewohner aufgeschrieben, ihr Leben dort, teilweise ihre Flucht sowie ihr neues Leben im angeblich so goldenen Westen, so die Landrätin bei der Buchvorstellung im Kreishaus. Da findet sich z. B. der in Bad Dürkheim ansässige junge Lehrer aus Thüringen, das „diamantene“ Ehepaar aus Sachsen und die Familie aus dem Vogtland (beide in Altleiningen), die Bad Dürkheimer Künstlerin aus Leipzig und andere, die beispielhaft für viele stehen. „Dabei sind wir nicht dem spektakulären Sprung über die Grenze nachgegangen, Sie lesen von Menschen wie uns“, erläutert der Redaktionsleiter. Gespannt wartet er auch darauf, ob 2010 die junge Frau aus dem thüringischen Saale-Holzland-Kreis ihren Bad Dürkheimer Freund heiratet und es so – dank des Mauerfalls - die offiziell erste Hochzeit der Partnerregionen gibt. Hochinteressant für die sicher auch die Repliken des Weinfachmanns Dr. Fritz Schumann über weinfachliche Begegnungen in der Ex-DDR. Einen Grundsatzbericht hat zum Thema Martin Kaiser, der Leiter der Pfalzakademie Lambrecht, beigesteuert.
Im Jahr 2008 waren es 70 Jahre her, dass in Deutschland jüdische Geschäfte zerstört wurden, Menschen verfolgt wurden bis hin zur Ermordung in Konzentrationslagern. Es gab zahlreiche Erinnerungsveranstaltungen im Landkreis Bad Dürkheim, die im Jahrbuch jetzt aufgearbeitet werden konnten. „Umso mehr verdienen die Menschen Hochachtung, die in Großkarlbach eine Woche der Begegnung organisierten“, geht die Landrätin auf die Inhalte ein. „Wir haben die Gedenkveranstaltung in Bad Dürkheim festgehalten wie das Treffen zweier betagter ehemaliger Dirmsteiner jüdischen Glaubens. Die Autoren des Buches haben auch aufgezeigt, was jüdisches Leben im heutigen Landkreis Bad Dürkheim früher bedeutete bis hin zu einem, wie ich meine, besonders perversen Ereignis: dass Nationalsozialisten, aber auch „ehrbare“ Bürger in Haßloch das Schikanieren jüdischer Mitbürger am nächsten Tag nachholten, weil sie es am Abend vorher versäumt hatten…….“. Aber auch allgemein wird in mancher Facette über früheres jüdisches Leben im heutigen Landkreis Bad Dürkheim berichtet.
Neben diesen Schwerpunkten der Berichterstattung finden sich wie gewohnt wieder „Geschichte und Geschichten“ aus dem Landkreis Bad Dürkheim. Besonders stolz sind die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Buchs, dass sie bisher Unveröffentlichtes exklusiv den historisch interessierten Leserinnen und Lesern nahe bringen können. So die jüngsten Erkenntnisse über den Namen „Eisentor“ in Freinsheim (sie hieß „Reisepforte“) Bilder des Dichters Nikolaus Pierron und seiner Frau, die jetzt in München aufgetaucht sind (im Jahrbuch 2009 konnte nur textlich berichtet werden). Die Übersetzung des Kirchenbuchs der katholischen Kirchengemeinde St. Peter und Paul in Grünstadt zählt ebenso zu den Exklusivberichten wie das Dürkheimer Urkundenprojekt des Zentralarchivs der ev. Kirche der Pfalz.
Landrätin Sabine Röhl dankte der Redaktion sowie allen Autorinnen und Autoren, die mit Texten und Bildern an dieser 28. Ausgabe der Jahrbuchreihe mitgewirkt haben. „Sie haben nicht nur ein lesenswertes, sondern auch ein hochinteressantes Werk zusammengestellt“, lobte sie.
Ein kurzer Rundblick auf einige wichtige Themen des Buches: Zum 40. Jubiläum der Mondlandung erscheint ein Beitrag über den Bad Dürkheimer Mondforscher Philipp Fauth. Pfarrer Otmar Fischer wird als „Hansdampf in vielen Gassen“ gezeichnet. Der ehemalige Leiter der Limburgschule Bad Dürkheim, der Deidesheimer Winfried Vatter, wird als Künstler vorgestellt. Was „Die Deidesheimer Verschwörung“ mit dem derzeitigen Bundesverteidigungsminister zu tun hat? In diesem Jahrbuchband steht es. In Haßloch wird die TSG 130 Jahre alt, der Jugendhof sogar 160 Jahre. Die Oma der Preußenkönigin Luise stammt aus der Verbandsgemeinde Grünstadt-Land und die Stadt Grünstadt hat einen neuen Bürgermeistergewählt. Die Künstlerin Edith Flügel aus Altleiningen wird portraitiert wie der Lehrer und Ehrenbürger Philipp Karch aus Neidenfels. Ausführlich werden auch die Kirchen der Verbandsgemeinde Wachenheim beschrieben. Daneben können zahlreiche Mundartgedichte und anderes Gereimtes die Leserschaft erfreuen. Die Kommunalwahl des Jahres 2009 nimmt breiten Raum mit der Vorstellung aller Kreistagsmitglieder ein. Im Kalendarium werden wieder 12 Gemeinden des Landkreises Bad Dürkheim aus der Luft gezeigt.
Das Heimatjahr 2012 ist erschienen: mehr