Heimatjahrbuch 2012

Heimatjahrbuch 2012
„ . . . und es kamen Menschen!“

30. Heimatjahrbuch des Kreises Bad Dürkheim erschienen

"Wir riefen Arbeitskräfte und es kamen Menschen“. Dieses Zitat des Schweizer Schriftstellers Max Frisch schreibt Landrätin Sabine Röhl im Vorwort zum neuen, dem 30. Heimatjahrbuch des Landkreises Bad Dürkheim. Die Redaktion hat sich des Themas „Migration und Integration“ angenommen.

Darauf weist auch schon das Titelbild hin, das Marion Hellmann vom Verlag EnglramPartner aus einem Foto eines Kvhs-Kurses gestaltet hat. Es trägt den Titel: „Die eine Hälfte der Welt ist nichts ohne die andere“. Erster Kreisbeigeordneter Erhard Freunscht bedankte sich bei der Vorstellung des Buches beim Verlag für die langjährige gute Zusammenarbeit; erdankte dem seit 30 Jahren mit dem Buch beschäftigten Redaktionsleiter Manfred Letzelter, dessen „Kind“ inzwischen erwachsen und allgemein anerkannt sei. Und er bedankte sich beim Redaktionsteam, das wieder ein Jahr gesammelt, geschrieben und korrigiert habe. „Ein Buch, das sich nicht nur für Weihnachten, sondern als Geschenk für das ganze Jahr eignet“, sagt Freunscht.

Als die „Gastarbeiter“ kamen

Auch im Landkreis Bad Dürkheim gedachte man des Anwerbevertrags vom Herbst 1961, nach dem vor 50 Jahren die ersten Türken ins Land kamen. „Gastarbeiter“, zuerst Italiener, kamen bereits zehn Jahre früher. Das Heimatjahrbuch stellt als Schwerpunkt Mitbürgerinnen und Mitbürger vor, die entweder mit einem Pass ihres Herkunftslandes oder als bereits Eingebürgerte länger oder kürzer im Landkreis leben.

Die Pfalz war schon immer Einwanderungsland – sogar was Pflanzen und Tiere betrifft; auch hierauf hat die Redaktion ein Schlaglicht gerichtet. Daneben gibt es wie gewohnt manch Informatives über „Geschichten und Geschichte“.

Im Kreishaus arbeiten viele „Migranten“

In der Kreisverwaltung Bad Dürkheim wird nicht nur von Integration der Menschen aus anderen Ländern geredet. Seit vielen Jahren haben Personen aus verschiedenen Erdteilen hier eine Arbeitsstelle gefunden. Im Heimatjahrbuch 2012 werden die meisten in Kurzportraits beschrieben. Ältere und ganz junge Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter bilden eine multikulturelle Farbe im Stellenplan. Sie kommen zum Beispiel aus der Türkei, Kosovo, Italien, Ghana, Indonesien, Kasachstan, Polen, Makedonien.

Beispiele integrierter Migranten im Jahrbuch

Vielfach sind ausländische Mitbürgerinnen und Mitbürger fest integriert im Landkreis. Einige Beispiele aus dem Heimatjahrbuch: Konrektorin in der Hauptschule bzw. IGS Grünstadt ist die Griechin Eleni Thimiani. Der Türke Ciano Bugday: aus Haßloch ist Rechtsanwalt – und gleichzeitig halbtags Dönerverkäufer in eigenen Läden. Portugiesen aus Obrigheim und Bad Dürkheim werden vorgestellt, in Frankeneck spielen drei Russen Volleyball – alle drei heißen Alexander. Niederländer wie Ellen Messner-Vogelesang (Kreistagsmitglied) oder Rene Verdaasdonk (Elmstein) engagieren sich in der Kommunalpolitik. Der spanische Künstler José Berlanga produziert in Altleiningen. Die Thailänderin Nurak Kelly ist Masseurin in Friedelsheim.

Grundschullehrerin Yasmin Khan aus Bad Dürkheim hat pakistanische Wurzeln. Aus Polen bzw. Irland kommen die Eheleute Jolanta und Bryan Hayes in Bad Dürkheim. Renata Rybosova aus der Slowakei fühlt sich ebenfalls in der Kurstadt wohl wie Katri aus dem finnischen Karelien in Kallstadt. Schweizer besiedelten die Morschbach im Lambrechter Tal. Johannes (Giovanni) Praga, ein Migrant des 18. Jahrhunderts, war vermutlich der erste Italiener in Freinsheim. Musiker wie die Pianistin Delia Stegarescu aus Weisenheim am Berg oder der Geiger Ionel Ungureanu aus Bobenheim am Berg (beide aus Rumänien) wissen die Weinstraße zu schätzen.

Fast 8000 Menschen mit Migrationshintergrund

Fast 8000 Frauen und Männer und Kinder (genau 7927 Personen) mit einem ausländischen Pass lebten Ende 2011 im Landkreis Bad Dürkheim. Nach den Unterlagen der Ausländerbehörde im Kreishaus Bad Dürkheim sind dabei 729 unter 16 Jahre, 481 zwischen 16 und 21 Jahre, bis 35 Jahre kommen weitere 1891 hinzu.

Die meisten Menschen mit einem nicht-deutschen Pass stammen aus der Türkei (1566). Ihnen folgen dichtauf die Polen (1480). Zum dritten Platz ist ein weiter Abstand. Hier sind mit 591 Personen die Italiener notiert. Die ersten 25 Plätze in einer Reihenfolge sehen wie folgt aus:

Frankreich 275, Österreich 257, Griechenland 251, Vereinigte Staaten von Amerika 239, Rumänien 215, Kroatien 156, Niederlande 151, Thailand 147, Großbritannien 140, Russische Föderation 127, Jugoslawien 126, Portugal 125, Bulgarien 113, Kosovo 103, Ungarn 99, Spanien 94, Serbien 87, Brasilien 70, Schweiz 67, Vietnam 65, Slowakei 64, Belgien 61.

Geschichte und Geschichten

Neben dem Schwerpunktthema– bringt das Heimatjahrbuch viele Beiträge zum Thema „Geschichte und Geschichten“. Es sei besonders auf die folgenden Beiträge hingewiesen: SPD-Mitbegründer Wilhelm Liebknecht besuchte 1897 das Hambacher Schloss; Die Mennoniten-Gemeinde zu Friedelsheim; Sinsheimers Großneffe Fred Kolm besucht Freinsheim; die Landesmutter aus Norwegen in Grünstadt; 75 Jahre Winzergenossenschaft Herxheim am Berg; 40 Jahre Verein Burg Spangenberg im Elmsteiner Tal; der neue Ehrenbürger von Neidenfels; 60 Jahre Haßlocher Landfrauenverein; Historischer Rundgang durch die Geschichte des 800jährigen Hertlingshausen; Pierre und Camille Denis, Migranten der Französischen Revolution; Das Heilige Kreuz des Klosters Limburg.

Einen Produktionsfehler muss die Redaktion einräumen: Im Inhaltsverzeichnis fehlt die Rubrik „Verbandsgemeinde Grünstadt-Land“. Die vorgesehenen Beiträge sind aber alle im Buch enthalten – u.a. über Anna Allmendinger aus Quirnheim, Emil Büffor aus Obrigheim, die portugiesische Familie Abreu aus Obrigheim, die Leininger Energietage und die Keilmandel in Dirmstein.

Das Heimatjahrbuch des Landkreises Bad Dürkheim im Buchhandel (auch im Kreishaus) für € 8.- erhältlich. Es ist wieder erschienen im Verlag EnglramPartner in Haßloch.




Verzeichnis bisheriger Heimatjahrbücher (seit 2003)
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