Heidenlöcher bei Deidesheim

Im 9. Jahrhundert errichtet - Eine fränkische Fliehburg

Die auf dem Gipfel des Kirchberges bei Deidesheim gelegenen sog. "Heidenlöcher" wurden im 9. Jahrhundert als Fliehburg - wohl wegen der Bedrohung durch die Normannen - errichtet. Das Fehlen von Funden bei den bisherigen Ausgrabungen lässt aber darauf schließen, dass sie wohl nur kurz bewohnt waren.

Im Frondienst erbaut

Wie die Forschung ergab, wurde die Anlage auf Weisung der königlichen Gewalt erbaut - von den zum Königsdienst verpflichteten Bewohnern zwischen Gebirge und Rhein. Jeder der Königsleute aus Littersheim, einem heute untergegangenen Dorf südlich von Worms, war verpflichtet, zwei Quadersteine und Sand in der Fron nach Ladenburg am Neckar oder in das 30 km entfernte Deidesheim zu fahren, wo sie wahrscheinlich zum Bau der "Heidenlöcher" verwendet wurden.

450 Meter Ringmauer

Die "Heidenlöcher" stellen eine befestigte Dauersiedlung dar, wie sie sich bereits in den keltischen oppida der letzten vorchristlichen Jahrhunderte herausgebildet hatte. Die Kuppe des Kirchberges wird von einer 450 Meter langen eiförmigen Ringmauer umschlossen, der Gipfel liegt innerhalb der Befestigung.

Die einst durch Holzeinbauten verstärkte, etwa drei Meter breite Mauer setzt sich aus zwei eng aneinandergebauten, selbständigen mit Lehm verfügten Teilen zusammen. Die äußere (höhere) besteht aus Bruchsteinen, Findlingen und Platten, die innere ist niederer und diente als Laufgang. Der Oberbau trug als Brustwehr eine Wand aus Stein- oder Holz, mit Pfosten verankert. Die Gesamthöhe der Mauer betrug einmal 3,50 Meter, wahrscheinlich war sie an der Angriffsseite im Nordwesten noch höher. Eine Vorbefestigung ist durch einen fünf Meter breiten Graben nochmal gesichert, der durch eine Palisadenwand verstärkt war.

Ein Zwinger im Süden

Eine einfache Unterbrechung der Mauer bildete das Südtor, ein Durchgang von etwa vier Meter Breite zwischen zwei Mauerzügen. So wurde ein Zwinger geschaffen. Von den einst vorhandenen einfachen Holztoren der Vorbefestigung und den hölzernen Torbauten der Hauptmauer sind keine Spuren mehr zu finden.

Die etwa 65 ausgegrabenen Häuser, die am dichtesten im Süden und Südwesten stehen, sind zum Teil unterkellert oder in den Hang hineingebaut. Abgesehen von einem Gebäude mit einer Grundfläche von 80 Meter, das den Gemeinschaftsraum oder den Sitz der königlichen Beamten beherbergt haben könnte, beträgt ihre Durchschnittsgröße 10 bis 20 Meter.

65 Häuser entdeckt

Alle Häuser weisen bei schiefwinkeliger Mauerführung, rechteckige oder nahezu quadratische Grundrisse ohne Raumunterteilung auf. Die Wände sind im Trockenverband aus Bruchsteinen, zum Teil auch aus großen Findlingen errichtet. Sie dürfen ursprünglich Aufbauten aus Fachwerk oder Holzbalken getragen haben. Neben einem Netz von Gäßchen lässt die Anlage vor allem an der Südfront einen Hauptweg an der Innenseite der Mauer erkennen.


Informationen:
Tourist Service GmbH Deidesheim
Bahnhofstr. 5
67146 Deidesheim
Tel.: 06326/96770
Fax: 06326/967718
eMail: touristinfo@deidesheim.de
Internet: www.deidesheim.de

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