Stadtmauer Freinsheim

Stadtmauerrundgang: 1,3 Kilometer um Freinsheim - Zwischen Mittelalter und Barock

Historisches Rathaus Freinsheim

Die Wein- und Obststadt Freinsheim (etwa 4900 Einwohner), wenige Kilometer östlich von Bad Dürkheim, besitzt eine geschlossene historische Altstadt, wie sie zumindest in der Pfalz einmalig ist. Die mittelalterliche Stadtbefestigung umfasst den barocken Ortskern mit einer vollkommen erhaltenen Mauer aus dem 15. Jahrhundert. Die Innenstadt war im Pfälzischen Erbfolgekrieg abgebrannt, wurde wiederaufgebaut. Ab 1978 begann eine modellhafte Restaurierung nach der Städtebauförderung des Bundes. 200 Hektar Obstanlagen und 484 Hektar Rebfläche umgeben den Ort.

Schon die Zugänge in den Stadtkern könnten an den Eingang eines Museums erinnern. Der Gast fühlt sich in der Zeit zurückversetzt, wenn er durch den vom wuchtigen Eisentor bewachten Zwinger von Osten in die Herrenstraße kommt oder von Südwesten durch das Haintor ins Zentrum wandert. 1,3 Kilometer lang ist die teilweise bis zu acht Meter hohe Mauer, an der entlang ein Rundgang dem interessierten Besucher "Geschichte pur" bietet. Von ehemals wohl 20 Wehrtürmen sind noch acht sichtbar. Sie sind zu mieten als Ferienwohnung oder dienen als rustikale Trinkstube für private Feste.

Das Haintor

Haintor Freinsheim

Beginnen wir den Rundgang durch Freinsheim, das 774 n. Chr. erstmals erwähnt und wahrscheinlich von einem Franken namens Freidin gegründet wurde, am Haintor, an dem die Besucher schon von Feigenbäumen empfangen werden, die im mittelmeerischen Klima der Pfalz gut gedeihen. Noch zu Anfang des 19. Jahrhunderts war das Haintor einer der beiden einzigen Eingänge in die Stadt. Wilder Wein rankt sich an dem 15 Meter hohen Turm hoch, imposant das hölzerne Fallgatter. Der Turm ist allerdings nur noch ein Fragment der ehemaligen Anlage aus dem 15. Jahrhundert. Das oberste Stockwerk ging 1689 verloren, das Vorwerk wurde 1818 abgebrochen.

Sinsheimer-Haus

Gegenüber dem Haintor befindet sich das Geburtshaus des Schriftstellers Hermann Sinsheimer (1883-1950), einem der bedeutendsten Söhne der Stadt, dessen Gedenken seit 1983 die Verleihung des gleichnamigen Literaturpreises gilt. Von diesem jüdischen Schriftsteller und Publizisten, der 1938 ins Exil nach London ging, stammt der Satz "Freinsheim fließt über von Geschichte, Wein und Obst".

Vier-Röhren-Brunnen

Nach Süden geht es dem Schild "Stadtmauerrundgang" nach durch den ehemaligen Wassergraben. Ein schmaler Pfad führt durch bunte Bauerngärten zum Vier-Röhren-Brunnen; dies ist ein Brunnenhaus mit offener Vorhalle, um 1737 als Eichbrunnen eingerichtet und Eichamt bis nach dem 2. Weltkrieg. Bis 1965 war er auch Waschplatz. Die ehemalige lutheranische Kirche war gegenüber und ist heute ein Privathaus.

Ein schmaler Gang, unter einem winzigen Fachwerkhaus (einem ehemaligen Wehrturm) hindurch, führt uns zur engsten Stelle von Freinsheim. Wie die Bewohner die Mauer lange als Hauswand oder gar als Steinbruch nutzten, läßt sich an vielen Stellen nachvollziehen. Uraltes Efeu hat sich mit vielen anderen Pflanzen überall in den Fugen der unbehauenen Quader aus Buntsandstein festgesetzt.

Herzogturm und Diebsturm

Am meisten faszinieren an Freinsheim die Türme. Der Herzogturm, der als erster auf der Rundgangstrecke liegt, stammt aus dem 14./15. Jahrhundert und wurde von den Zweibrücker Herzögen erbaut; er war ein Verlies und Quarantäneturm, die unteren Geschoße hatten weder Tür noch Fenster. Er kann heute als Ferienwohnung gemietet werden. Dasselbe gilt für den Diebsturm. Er war allerdings zur Stadtseite hin zunächst offen, wurde später (als Gefängnis) zugebaut. Als touristische Attraktion wird er auch gern an junge Ehepaare vermietet, was die Bevölkerung mit dem Namen "Liebesturm" quittierte.

Weitere Türme

Tritt man südlich vor die Mauer, öffnet sich der Blick auf den Casino- und den Kanonen- oder Pulverturm. Den Namen "Casino" prägte die Freinsheimer Casino-Gesellschaft mit ihren Versammlungen darin; heute kann er für Feiern gemietet werden, nicht zum Übernachten. Am Kanonenturm zeigt sich der frühere Aufbau der Türme noch am deutlichsten.

Galerie "Weber-Haus"

Den höher gelegenen, anschließenden Teil der Stadt schützten früher Palisaden und ein Wassergraben. Er wird häufig als Trockengraben bezeichnet. In den Häusern am Zwinger und in der Wallstraße gibt es bis heute Quellen (leider auch dadurch öfter überflutete Keller). Hier steht der Hahnenturm, ebenfalls eine Ferienwohnung, dahinter war die Schanze, es ist die höchste Stelle der Mauer. Gleich daneben lohnt ein Abstecher in die private Galerie "Gottfried-Weber-Haus", das nach einem hier geborenen Juristen (1779-1839) benannt ist, der sich später aber mehr einen Namen als Musiker und Freund von Carl Maria von Weber sowie als Kritiker von Beethoven machte und in Mannheim ein Konservatorium gründete.

Das Eisentor

Der Spaziergang durch die Geschichte führt ans Eisentor, Wahrzeichen der Stadt. Zwei mächtige Türme nehmen den Torbogen in die Mitte. Über der Durchfahrt prangt die Kartusche mit dem kurpfälzischen Wappen und der Jahreszahl 1514, dem Erbauungsjahr. Durch diese Demonstration der Macht des Kurfürsten gelangt man durch den Zwinger ans innere Tor mit seinem riesigen Pecherker. In einer Nische steht eine Petrus-Statue ohne Kopf, die Legende machte daraus eine "Jungfrau ohne Kopf". Seit 1988 ist hier das Handwerkermuseum eingerichtet.

Das Retzerhaus

In der westlich auf das historische Rathaus (1750) führende Herrenstraße lohnt eine Besichtigung des "Retzerhauses", eine typisch fränkische Wohnanlage mit Torbogen zur Straße, in dessen Parkanlage heute Feste gefeiert werden. Die weiteren Gebäude beherbergen Bücherei oder Altenstube sowie Vereinsräume.

Die nördliche Ringmauer ist weniger attraktiv - sie ist in ihrer ursprünglichen Höhe erhalten, da sie als Scheunenrückwand der an etwa 1830 im ehemaligen Wassergraben entstandenen landwirtschaftlichen Anwesen genutzt wurde (etwa 30 Meter wurden 1665 total ausgebessert).

Der "von-Busch-Hof"

Auf dem Weg zurück zum Haintor ist ein Besuch im "von-Busch-Hof" fast zwingend. Der ehemalige Klosterhof aus dem 13. Jahrhundert ist ein Vorzeigeobjekt der Stadtkernsanierung. Im Orleanischen Krieg zerstört und 1700 wieder aufgebaut kam er in den Besitz des Freiherren Bartholomäus von Busch, der kurpfälzische Gesandte am Wiener Hof war. Nach der Französischen Revolution steigerte die Familie Reibold 1852 die Anlage für 5100 Gulden. Die Zehntscheune war eines der ersten Sanierungsobjekte im Städtebauförderungsprogramm. Seit 1981 ist sie kulturelles Zentrum der Stadt.

Die Kirchen

Ein Wort zu den Kirchen: Die katholische Kirche St. Peter & Paul, 1772-73 als Saalbau im Zopfstil errichtet, besitzt einen barocken Hochaltar aus hellgelbem Marmor. Der Glockenturm der heutigen evangelischen Kirche am Markt, spätgotisch, überragt die Stadt. Als dreischiffige gewölbte Halle erbaut, wurde sie 1476 erweitert. Aus den Ruinen des Brandes von 1689 entstand das Langhaus als flachgedeckter Saal. Aus der Renaissance stammen das Portal und der Treppenturm.


Informationen:
Touristinfo der Stadt Freinsheim
Historisches Rathaus
Postfach 105
67251 Freinsheim
Tel.: 06353/989294
eMail: verkehrsverein@stadt.freinsheim.de
Internet: www.stadt.freinsheim.de

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