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Eine Art Freilichtmuseum ist sie, die "villa rustica" von Wachenheim, in den Weinbergen zwischen Wachenheim und Friedelsheim gelegen. Sie kündet "vom Reichtum römischer Rebzüchter", wie es Dr. Helmut Bernhard vom Landesamt für Denkmalpflege in Speyer einmal formulierte.
Als "villa rustica" bezeichnen die Historiker eine Art großer Bauernhof aus römischer Zeit. Die Grundmauern wurden 1980 zufällig während der Flurbereinigung der Weinberge entdeckt. Über zehn Jahre gruben die Archäologen, nach und nach wurden die Gebäudereste restauriert. Rund 15.000 Quadratmeter Weinbergsfläche mußten zuvor aus der Zuteilung für die Winzer herausgekauft werden, das Areal wurde als Denkmalzone unter Schutz gestellt; bei landwirtschaftlicher Nutzung wären die Gebäudereste völlig zerstört worden.
Land Rheinland-Pfalz, Landkreis Bad Dürkheim, Verbandsgemeinde und Stadt Wachenheim sowie auch Winzer wandten erhebliche Mittel zum Schutz dieser ersten oberirdisch sichtbaren römischen Anlage auf, die damals in der Pfalz einmalig war (die Hofanlage mit Kelter bei Bad Dürkheim-Ungstein war zunächst wieder mit Erde abgedeckt und wurde später als Museum aufgebaut, siehe Seite 28). Fast eine Million Mark kosteten Erwerb der Fläche und Restaurierung. Mit der Restaurierung wurde dieser römische Gutshof mit Herrenhaus und Nebengebäuden zum Freilichtmuseum. Stadt und Verbandsgemeinde Wachenheim engagieren sich bei den Folgekosten.
Die Anfänge des römischen Gutes liegen um das Jahr 20 n.Chr. Einzelne Spuren von Holzbauten gehören in diese Gründungsphase. Der steinerne Ausbau erfolgte im 3. Jahrhundert und bestand bis ins frühe 5. Jahrhundert. Der Hof wurde damals offensichtlich durch einen Brand zerstört, war dennoch bis weit im 5. Jahrhundert zumindest in primitiver Form bewohnt. Ein kleines Gräberfeld wurde im Bereich des Speicherhauses festgestellt.
Beherrschend in dieser Anlage von 15.000 qm ist das Herrenhaus (Länge: 65 m), an einem leichten Südhang gelegen. Es hat die Form einer U-förmigen Portikusvilla (ähnlich im Grundriss wie Ungstein). Der noch nicht vollständig ausgegrabene Hauptteil umfaßt westlich eine Halle und zwei Seitenräume im Osten mit einem rückwärtigen Korridor. Die Westseite nimmt ein Keller (12x4m) mit sechs Fensternischen und neun Rundbogennischen ein.
Daran anschließend findet sich der Badetrakt, der ursprünglich vom Haupthaus aus und später nach Abmauerung des Kellers von Süden aus beheizt wurde. Nach der Wärmeleitung zu schließen ergibt sich die Folge vom Warmbad über ein Lauwarmbad zum Kaltbad. Das Abwasser wurde über eine steinerne Rinne abgeleitet. Die restaurierte Anlage zeigt die ältere Bauphase. Im Ostflügel ist ein weiteres Bad eingebaut, das - so die Historiker - wohl vom Gesinde benutzt wurde. Außerdem wurde südlich an diesem Flügel ein Anbau mit Fußbodenheizung errichtet. Die Mauerzüge sind mit Platten markiert.
Der Wirtschaftsbau diente wohl als Remise und Stall. Der Bau konnte durch ein Tor betreten werden. Im Norden daran anschließend ist eine Gesindewohnung zu finden, die ebenfalls mit Fußbodenheizung ausgestattet war. Der Speicherbau steht über einer älteren Ofenanlage und einer Getreidedarre. Ein weiteres ehemaliges Gebäude liegt noch im Rebgelände. Mit Platten sind Hofmauer mit Anbauten und eine Tenne markiert. Unterhalb des Aussichtshügels liegt ein quadratischer Ofen. Im Gelände mit Markierungen angezeigt sind ein Brunnen, ein Kalkbrennofen und die Überreste von zwei Maischebecken, in denen Trauben mit den Füßen zerquetscht wurden. Diese wiesen darauf hin, daß schon vor fast 2000 Jahren in Wachenheim Weinbau betrieben wurde.
Ein Förderkreis, dem der Verbandsbürgermeister Klaus Huter vorsteht, hat die Mauern mit erklärenden Dokumentationen ausgestattet. Seit Juni 1996 ist ein "Römer-Rundwanderweg" ausgewiesen. Er bezieht die Anlagen in Bad Dürkheim-Ungstein, den römischen Steinbach "Krimhildenstuhl" sowie der Wachenheimer "villa rustica" auf sieben Kilometer ein.
Informationen:
"villa rustica" Wachenheim
c/o Tourist-Information Wachenheim
Weinstraße 15
67157 Wachenheim
Tel.: 06322/9580-32
Internet: www.wachenheim.de
E-Mail: touristinfo@vg-wachenheim.de
Das Gelände ist jederzeit für Besucher zugänglich
(auf eigene Gefahr),
Führungen nach frühzeitiger Anmeldung

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