Heimatmuseum Ältestes Haus Haßloch

Heimatmuseum im 400jährigen Renaissancebau - Das "Älteste Haus" in Haßloch

Ältestes Haus Haßloch

Das älteste Haus im Großdorf Haßloch, mit über 20.000 Einwohnern mindestens das größte gewachsene Dorf in Rheinland-Pfalz, datiert aus dem Jahr 1599. Seit 1980 steckten Gemeinde Haßloch, das Land Rheinland-Pfalz und der Landkreis Bad Dürkheim, unterstützt auch von der Kreissparkasse, viel Geld in die Restaurierung dieses alten bäuerlichen Anwesens, das mit seinem Fachwerk allein schon Anschauungsobjekt ist. Das gesamte Gehöft mit Stallungen und Scheune gilt auch als lebendiges Zeugnis pfälzischer und Haßlocher Kultur-geschichte. Es hat die in der Vorderpfalz typische langgestreckte Rechteckforrn. Es hat die Brandschatzung von Haßloch im 30jährigen Krieg (1621) sowie den pfälzischen Erbfolgekrieg (1689) überstanden. Der Renaissancebau gilt - trotz einiger Umbauten im 18. Jahrhundert - als kunsthistorisch wertvoll und steht unter Denkmalschutz.

100 Jahre Museum

Zum 100jährigen Bestehen des Museums in der Haßlocher Gillergasse will die Gemeinde auch mit dem Umbau des Nachbaranwesens beginnen, das laut Museumsleiterin Marianne Wittmann dringend zur Erweiterung des Museumsbereichs benötigt wird. Als Gründer des Heimatmuseums gilt Oberlehrer Gottlieb Wenz, der 1896 eine ortsgeschichtliche Sammlung begann. Zahlreiche Funde aus dem Gebiet der Gemeinde Haßloch hatte er zunächst im Turm der Christuskirche und nach 1900 auf dem Speicher der Schillerschule untergebracht. Hauptlehrer Otto Frank und Rektor Oswin Backes in den 1960er Jahren führten das Sammelwerk fort. Wegen Schulraumnot mußte die Sammlung später in einen Kindergarten und war ab 1973 erstmals in einem Anwesen der Kirchgasse öffentlich zugänglich. 1978 zog die Sammlung auf Betreiben von Rektorin Marianne Wittmann ins "Älteste Haus".

Mammut-Unterkiefer

Über zwei Millionen Jahre alt sind die ältesten Stücke, wie ein Mammut-Unterkiefer. Webgewichte aus der Jungsteinzeit, Keramik aus der Hallstattzeit oder keltische Drehscheibenkeramik sowie ein Gesteinsammlung führen den Besucher in die Geschichte ein. Wichtigster Fund waren Bruchstücke von Bronzerädem eines Zeremonienwagens, die allerdings nicht in Haßloch sind. Sie wurden vom römisch-germanischen Museum in Mainz restauriert und ergänzt und sind heute wegen ihrer hohen Bedeutung im Historischen Museum in Speyer ausgestellt. Eine bisher für Haßloch zu teuere Nachbildung steht aus und soll das Museum künftig ergänzen.

Kaiser Barbarossa war zu Gast

Die Ortsgeschichte beginnt, wie ein Dokument im Eingangsbereich nachweist, so richtig im Jahr 902: damals schenkte der Karolinger König Ludwig das Kind dem Kloster Weissenburg unter anderem Güter bei Hasalaha (Siedlung bei den Haseln am Wasser). Der Gast erfährt, daß 1186 Kaiser Friedrich Barbarossa mit Pfalzgraf Konrad hier seine Güter besichtigte. Im übrigen ging es Haßloch wie allen Gemeinden der Vorderpfalz: Ihre Herrschaft wechselte zwischen Fürstbischöfen, der Kurpfalz, den Leininger Grafen.

Schöne Küche

Die schön hergerichtete und reich ausgestattete Küche führt in das bäuerliche Leben ein. Kochkessel aus dem 17./18. Jahrhundert, Häfnerware, die vom letzten Haßlocher Häfner (der Ulan Postel, 1910) stammt. Die Beleuchtungsgeschichte zeigt sich vom Kienspan über Öl- und Gaslampe zum elektrischen Licht (1927). Daß Wäschewaschen früher Knochenarbeit war, zeigt eindrucksvoll die alte Waschküche mit schönen alten Öfen. In der Vorratskammer finden sich alle Geräte zum Backen, Käsepressen oder Butterfässer sowie eine Milchzentrifuge, die den Rahm von der Magermilch trennte.

Spinn- und Webstube

Webstuhl

In der Spinn- und Webstube wird nachvollzogen, daß Gewinnung und Verarbeitung von Flachs eine wichtige Einnahmequelle war. Fast in jedem Haus wurde gesponnen und gewoben. Ein Handwebstuhl aus schwerem Eichenholz (18. Jahrhundert) dient heute noch zur Demonstration, was Dorle Dorsch viel Spaß macht. Ein handgeschriebenes Webrausterbuch gehört zu den Kostbarkeiten des Museums. Auch Druckstöcke aus der letzten Haßlocher Färberei (1922 geschlossen) ergänzen das Zimmer. In der Kleiderstube ist deutlich die Entwicklung der Mode zu betrachten, Handarbeiten und Kleider, Strümpfe von 1858 und Handschuhe aus 1897 perlenbestickte Hosenträger (um 1800) geben uns Einblick, was die Vorfahren trugen.

Schule und Kinderstube

Im Waffenraum sind unter anderem Jagdgewehre und Säbel aufbewahrt, in einer schmalen Kammer hängen Fahnen wie die des Arbeiterfortbildungsvereins 1873 (ein Vorgänger der Volkshochschule). Die Schiefertafel von 1816, handgeschriebene Rechenbücher, originale Lehr- und Lernmittel im nächsten Zimmer zeigen uns: So war damals Schule. Schreibpult, Bank und ein Bild der Klasse von 1888 bis hin zur Schulspeisung 1947 lassen manche Erinnerung wach werden.

Altes Handwerk

In der Kinderstube findet sich altes Spielzeug, herrlich die Puppenküche. Im Schlafzimmer dominiert ein Kleiderschrank mit schmiedeeisernen Beschlägen, aus dem 18. Jahrhundert. Eine komplette Schusterwerkstatt ist eingerichtet mit Hinweisen auf die alten Haßlocher Betriebe (einer existiert noch). Vom Sattler steht die Roßhaar-Zupfmaschine im Raum. Die Schlosserwerkstatt zog in die Scheune um, samt Feldschmiede und einem Spitzblasebalg.

Das ländliche Leben

Die Scheune dient vor allem der Erinnerung an das landwirtschaftliche Leben in Haßloch. Pflüge vom 17. bis 20. Jahrhundert, eine Sämaschine 1850), Futtergeräte, Dreschflegel und Wiesenbeile füllen den linken Teil. Dreschmaschinen und eine Sensendengelmaschine sowie ein Meßbottich für einen Hektoliter lassen den Besucher ins Staunen kommen. Imkerei und ein Hornissennest ziehen den Blick an, auch die Geschichte von Haßloch als Tabakdorf bis 1995 wird nachvollzogen. Wie auf dem Land früher transportiert wurde zeigen Fahrzeuge von Mistkarre bis Schlittenkutsche.

Im Weinkeller

Zuletzt wird ein Blick in den Weinkeller geworfen: Das Winzer- und Küferhandwerk zeigt, daß auch in Haßloch der Weinbau heimisch war (heute gibt es noch einen Vollerwerbswinzer im Dorf).

Freilichttheater

Die Hofanlage des "Ältesten Hauses" dient auch als Freilichttheater des gleichnamigen Kulturvereins sowie zu Matinees und Konzerten wie Lesungen. VHS und andere Vereine nutzen es ebenfalls gerne für Veranstaltungen.


Informationen:
Heimatmuseum "Ältestes Haus" Haßloch
Gillergasse 11
67454 Haßloch/Pfalz

Geöffnet: März bis Dezember
jeden 1. und 3. Sonntag im Monat von 15.00 bis 17.00 Uhr

Führungen: Nach Vereinbarung
Tel.: 06324/981613

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