Museum für Film- und Fototechnik Deidesheim

Über 100 Jahre optische Entwicklung - Von Holzkameras bis Elektronik

Kamera

Wer das Museum für Film- und Fototechnik in Deidesheim durch den etwas verborgenen Eingang im Hof gleich neben dem Bürgerhospital und in Nachbarschaft des ältesten pfälzischen Wirtshauses ("Zur Kanne") betritt, der hört es gleich im Geiste surren und klicken. Der Blick an der Empfangstheke vorbei fällt auf allerlei Filmkameras, ein Stockwerk höher geht es zu den Fotoapparaten aus über 100 Jahren technischer optischer Entwicklungen.

Meisterwerke der Optik

"Das Museum will die Arbeit all der Menschen würdigen, die mit Kreativität und Können die Meisterwerke der Optik und Feinmechanik geschaffen haben", heißt es im Prospekt des Museums, das 1990 von Dr. Wolfgang Immel aus Ludwigshafen in der berühmten Weinstadt begründet und eröffnet wurde. Vor rund 2000 Ausstellungsstücken von der "Latema magica" bis hin zu modernen Femsehkameras kann jeder Fotofreund hier stundenlang verweilen.

Die Führung beginnt im Obergeschoß, wo die noch handgefertigten Holzkameras und Messingobjektive von der Jahrhundertwende zu sehen sind. Neben den Holzkameras kann man eine Vielzahl von Plattenkameras bewundern, die Namen wie Voigtländer, Zeiss, Linhof und viele andere tragen.

Rollfilm- und Kleinbildkameras

Mit der Kodak Folding Kamera von 1889 beginnt das Zeitalter der Rollfilmkameras. Neue Namen wie Rollei treten in Erscheinung, aus deren Firmenprogramm viele Exponate im Museum zu sehen sind. Eine Nachbildung der Ur-Leica aus dem Jahr 1913 steht für den Beginn der Kleinbildfotografie. Es folgt ein repräsentativer Überblick über die Entwicklung der Kleinbildkameras bis zur modernen Spiegelreflex- und Pocketkamera.

Aber auch Entwicklungen von Verschlüssen und Objektiven, Belichtungs- und Entfernungsmessern werden dem Besucher näher gebracht. Die Faszination des räumlichen Sehens zeigen an vielen Beispielen die Dauerleihgaben der Deutschen Gesellschaft für Stereoskopie.

100 Jahre Film

Die Darstellung des Films erfolgt an Beispielen von Laterna Magicas, mit denen erste kleine Filmszenen vorgeführt werden konnten. Eine Ernemann-Handkurbel-Kamera von 1914, Hand- und Motorkameras, mit denen bedeutende Spielfilme gedreht wurden, bis hin zur Fernsehkamera vermitteln einen nostalgischen Hauch von 100jähriger Filmgeschichte. Beeindruckend sind die großen Kinomaschinen und Wanderkinos sowie die mit großer Präzision gefertigten Film- und Tonlaufwerke. Sie führen dem Zuschauer vor Augen, welch technischer Aufwand notwendig war, damit er seine Filme im bequemen Kinosessel bewundern konnte.

Wochenschau-Kamera

Die berühmte Wochenschau-Kamera, der ARRI 35 II mit ihren Nachfolgemodellen ist eine eigene Vitrine gewidmet; diese Kameras werden heute noch auf der ganzen Welt eingesetzt. Beginnend mit der ersten 16 mm Filmkamera, der Kodak A, die noch eine Handkurbel besaß, wird die ganze Entwicklung der 16-mm-Filmtechnik gezeigt.

Von Pathé bis Super 8

Umfangreich und wohl den wenigsten Besuchern bekannt sind die 1921 von Pathé in Paris gefertigten 9,5 mm Kameras und Projektoren. Abweichend von den gängigen Filmformaten lag hier die für den Filmtransport notwendige Perforation in der Mitte, wodurch man bis zu 40 Prozent Filmmaterial einsparen konnte. Ebenso beeindruckend ist die 1932 begonnene Entwicklung der 8mm-Filmkameras und Projektoren, die nach dem 2. Weltkrieg einen ungeheueren Boom auslösten, bis sie 1964 von dem Format Super 8 abgelöst wurden.

Elektronen-Mikroskop

In der Anwendung von Fotografie und Film in der Wissenschaft ist der Besucher sicher von einem Elektronenmikroskop beeindruckt, das 200.000fache Vergrößerungen ermöglicht. Einmalig ist die Sammlung von Hochgeschwindigkeitkameras, die bis zu 20.000 Bilder pro Sekunde ermöglichen. Mit ihrer Hilfe ist es möglich, schnell ablaufende Vorgänge wie Explosionen oder Crash-Tests zu untersuchen. Nicht zu vergessen eine Infrarot-Wärmekamera, mit der man auch bei Dunkelheit alle Objekte, die Wärme auch bei sehr tiefen Temperaturen ausstrahlen, sichtbar machen kann.

Geschichte der Optik

Angenehm ist für den Laien, daß die Geschichte der Fotografie, des Films und der Optik anhand von Schrifttafeln und Modellen sehr genau nachvollzogen wird. Die Informationen reichen von Aristoteles, der (384-322 v. Chr.) den Bildlauf durch eine kleine Öffnung anhand einer Sonnenfinsternis beschreibt, über die camera obscura eines holländischen Physikers (1544) und Leonardo da Vinci, die Daguerrotypie (1837) bis zur ersten Fotografie durch den Franzosen Nicephore Nièpce (1826).

"Oscar" für Technik

Beim Ausgang wird der scheidende Gast noch auf das Portrait von Willi Burth hingewiesen, den Erfinder des Horizontaltellers; der Gewinner eines Technik-"Oscars" (1988) ist Mitglied im 1982 gegründeten Deidesheimer Trägerverein. Eine enge Zusammenarbeit besteht mit dem Wirtschaftsverband der Filmtheater Hessen-Rheinland-Pfalz, der Deutschen Gesellschaft für Stereoskopie und dem Bund Deutscher Film- und Videoamateure.


Geöffnet:
Januar und Februar: Montag bis Freitag 14 - 17 Uhr
März bis 22. Dezember: Mittwoch bis Sonntag 14 - 18 Uhr

Informationen:
Museum für Film- und Fototechnik
Weinstraße 33
67146 Deidesheim
Tel.: 06326/6568

oder

Tourist Service GmbH Deidesheim
Bahnhofstr. 5
67146 Deidesheim
Tel.: 06326/96770
Fax: 06326/967718
eMail: touristinfo@deidesheim.de
Internet: www.deidesheim.de

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