Pfalzmuseum für Naturkunde Bad Dürkheim

Faszination Umwelt - Verantwortung für die Natur

Gebäude Pfalzmuseum für Naturkunde, Bad Dürkheim

Idyllisch gelegen ist die Herzogmühle im Bad Dürkheimer Stadtteil Grethen. Die ehemalige Mühle, der Weiher mit seiner kleinen Insel, die Wald- und Steinkulisse, am Berghang von einer bescheidenen Häuserreihe begrenzt, zeigt dem Besucher, dass er hier etwas Besonderes vor sich hat. In der Herzogmühle ist seit 1980 das "Pfalzmuseum für Naturkunde der POLLICHIA" untergebracht. Der Weiher war als ein Stausee angelegt, die Mühle von Pfalzgraf Johann Casimir zur Regulierung der Triebwerke der Saline im Osten der Stadt. Die POLLICHIA-Sammlungen wurden nach Ankauf des Gebäudes durch die Stadt hierher verlagert.

Die "Pollichia"

Die POLLICHIA, wurde am 6. Oktober 1840 von 25 Gelehrten, teils Männer des "Hambacher Festes", als zunächst naturwissenschaftlich forschende Gesellschaft in Bad Dürkheim gegründet. In ihr lebt der bedeutende Pfälzer Arzt und Botaniker Johann Adam Pollich fort. Sie ist ein Dachverband für 17 Orts-, Kreis- und Regionalgruppen mit insgesamt rund 3500 Mitgliedern hauptsächlich in Rheinland-Pfalz. Sitz ist seit 1840 Bad Dürkheim.

1400 qm Ausstellungsfläche

Vertragspartner der POLLICHIA für die Unterhaltung des Museums mit seinen 1400 Quadratmetern Ausstellungsfläche in fünf Stockwerken sind Stadt und Landkreis Bad Dürkheim sowie der Bezirksverband Pfalz. Der Landkreis Kusel ist Vertragspartner für die Außenstelle des POLLICHIA-Museums auf der Burg Lichtenberg bei Kusel. 23 zum Teil wissenschaftlich hochspezialisierte haupt- und zahlreiche ehrenamtliche Mitarbeiter sorgen für den reibungslosen Ablauf und ständige Aktualisierung der Disziplinen. Geologie, Paläontologie, Mineralogie, Botanik, Zoologie und die Geschichte der Naturwissenschaften in der Pfalz gehören dazu.

Naturpark Pfälzerwald

Ein Relief des Pfälzerwaldes, Deutschlands größtem zusammenhängendem Waldgebiet, gibt dem Besucher des "Pfalzmuseums", des größten und bedeutendsten Naturkundemuseums in Rheinland-Pfalz, einen ersten Eindruck von der Region, in der er sich befindet. Anhand von Lämpchen lassen sich sowohl Ortschaften wie Besonderheiten dieses Gebietes markieren. Die Wandvitrinen daneben thematisieren den Naturpark Pfälzerwald.

Seit 1958 ist der Pfälzerwald Naturpark, seit April 1993 auch Biosphären-Reservat der UNESCO. Er ist das Herzstück der Sammlungen und Forschungen im Pfalzmuseum. Mit 75 Prozent Waldanteil bei einer Gesamtfläche von 179.300 Quadratkilometern besteht seine Hauptformation aus Buntsandstein. Entlang dem Rheintal steigt er (in der Vorderpfalz Haardt genannt) bis zu 600 m auf. Der Baumbestand ist von der Kiefer geprägt (50 bis 70 Prozent), gefolgt von der Rotbuche (20 Prozent), die Eiche hat 8 Prozent Anteil. Auf die Klimagunst weist die von den Römem hier eingeführte Kastanie hin.

Zum "Be-greifen"

Exponat Pfalzmuseum für Naturkunde, Bad Dürkheim

Knochenfunde aus dem zu Ende gehenden Pleistozän ziehen den Blick zunächst auf sich. Mammutzahn- und -schulter, der Braunbärschädel oder der des wollhaarigen Nashorns faszinieren ebenso wie die Skelettmontage des Urs, des Ahnen unserer Hausrinder. Mit dem Schädel der Säbelzahnkatze von Neuleiningen verbinden sich in der Phantasie Abenteuer. Und was vor allem die Kinder freut - Anfassen ist im Pfalzmuseum vielfach erlaubt, man will ein Museum "zum Be-Greifen" im Sinne des Wortes sein. In einem Diorama ist ein Steinzeitdorf dargestellt, viele Einzelheiten beschreiben diese Urzeit anschaulich.

Fossilien aus 300 Millionen Jahren

Die Entwicklungsgeschichte der Erde ist anhand zahlreicher Fossilien verdeutlicht. Eines der schönsten Exemplare ist eine Amphibie, ein krokodilähnliches Tier, in seinem Steinbett sehr sorgfältig präpariert. Es lebte vor etwa 270 Millionen Jahren in der Westpfalz und wurde im sog. "Rotliegenden" gefunden, einer Erdschicht, aus der die Experten viel erfahren konnten.

Die Pflanzen des Karbon und ihre Entwicklung durch die Jahrtausende über Torf bis zu Braun- und Steinkohle sind lehrreich. Die fossile Schildkröte kann im Puzzle nachgebaut werden. Die Zeit des Jura wird erklärt durch Dioramen mit den verschiedensten Saurierarten - auch ein Grund, warum so viele Kinder unter den Besuchern des Pfalzmuseums sind.

Original-Meteorit

In der Überleitung zum Mineralienteil kommt der Gast an einer Vitrine mit Teilen von Meteoriten vorbei. Das schönste Stück: der Originalmeteorit, der 1869 in der Pfalz bei Krähenberg nahe Zweibrücken einschlug. Er wiegt über 15 kg! Weitere Beispiele stammen aus Portugal und Algerien.

Das Mineralien-Kabinett

Bei den Mineralien allein könnten sich die Besucher tagelang aufhalten, so vielfältig ist die Sammlung, die in ihrem Hauptteil dem Ludwigshafener Sammler Kurt Miedreich zu verdanken ist. 1000 Stufen seiner Kollektion sind in 16 Vitrinen zusammengefasst, ein Teil davon in einem Gang, der einer Mine nachempfunden ist. Auf Knopfdruck erscheinen die Schätze der Erde auf einer Weltkarte. Wer durch den Gang mit den vielen glitzernden Steinen geht, findet rechts die pfälzischen Gesteine, links Funde aus aller Welt. Natürlich steht auch hier wieder eine Anfass-Vitrine. Die Steine im Mineralienkabinett sind vorwiegend vulkanischen Ursprungs. Viele Formen und Farben helfen dem Kenner, sie zu unterscheiden. Aus der näheren Region des Pfalzmuseums sind besonders erwähnenswert Calcite aus Grünstadt, Eisenerz von der Hardenburg und der Gips aus der Fläche, auf der heute die Kreisverwaltung steht. Wunderschön auch die Achate aus der Pfalz.

Die "Blitzröhren"

Eine einmalige Erscheinung für die Pfalz und in der gesamten Bundesrepublik Deutschland sehr selten sind die hier auch ausgestellten "Blitzröhren" von Battenberg (nahe Grünstadt). Eine meterhohe Sandstein-Felswand steht dort unter Naturschutz, weil sie rund 32 Millionen Jahre alte Meeressande des Tertiär beinhaltet. Ihre ockerfarbenen Sandsteine sind von röhrenförmigen Eisenschwarten durchzogen, das Innere mit rotem bis braunem Sand verfüllt. Es handelt sich im Gegensatz zu Blitzeinwirkungen mit Schmelzerscheinungen bei Battenberg um reine Ausfällungen und Sinterbildung kieselsaurer Eisenlösungen. Aus der Beschreibung in der Vitrine: "Wasser, das eisenhaltige Stoffe gelöst hatte, durchdrang die Sandschichten. Das mitgeführte Eisen wurde schalig (konzentrisch) ausgeschieden und verwandelte im Bereich der Ablagerung den losen Sand in einen festen Sandstein, der bis zu 30 Prozent Eisen enthalten kann."

Am Südpol

Ein Stockwerk höher steht der Besucher plötzlich vor einem Wegweiser. 13.375 km nach Bad Dürkheim liest er. Rund 1000 Kilometer weiter ist es nach Moskau. Von wo? Vom Südpol aus. Dieser Wegweiser stand original in der Antarktis bei der Forschungsstation von Georg v. Neumayer (aufgebaut 1981), dem dieser Saal auch gewidmet ist. Der pfälzische Polarforscher, 1826 in Kirchheimbolanden geboren und 1909 in Neustadt/Weinstraße gestorben, gilt als der meist ausgezeichnete Wissenschaftler seiner Zeit. Viele Jahre war er Präsident und Ehrenpräsident der POLLICHIA: Als Hydrograph der deutschen Admiralität war er Initiator des Reichsinstituts Deutsche Seewarte, die er zur Weltgeltung führte. Beeindruckend auch das Modell der "Polarstern", des größten deutschen Eisbrechers oder ein Sommerschutzanzug, der seinen Träger bei - 20 Grad (am Südpol wird es bis zu 90 Minusgraden) warm hält.

Die Vögel

Sehr umfangreich die Vogelschau. Vom Schlangenadler bis zum Schwarzstorch, von Krickente bis Rotmilan, Greif- und Wasservögel, die bekannten Sänger oder die Eulen - alles zum Anschauen und teilweise zum Angreifen. Da heute durch vielfältige Eingriffe des Menschen in die Natur zahlreiche Vogelarten ausgestorben sind, ist eine solche Sammlung um so wertvoller, als sich die Jagd auf solche Exemplare auch zum Zwecke des Präparierens von selbst verbietet. Gezeigt werden auch die ökologischen Zusammenhänge. Eine pädagogische Aktion ist auch immer die Ausstellung des "Vogels des Jahres" bzw. (mit Gestein, Pflanze usw.) des Monats.

Die südpfälzischen Böhämmer (Bergfinken), die mit Blasrohren gejagt wurden, lassen den Gast schon mit dem Kopf schütteln. Ganz seltsam wird es, wenn die Elwetrittsche vorgeführt wird (der pfälzische Fabelvogel). Im Nachbarsaal ist die Tierwelt des Pfälzerwaldes auf engem Raum zusammengestellt, eine Art kleiner Zoo aus präparierten Tieren. Felle aller Tiere können in einem Kasten gestreichelt und ertastet werden, um die Unterschiede zu entdecken.

Die Insekten

Immer wieder faszinierend ist das soziale Leben der Insekten; ein besonders schönes Beispiel dafür ist der in einem Terrarium aufgebaute Ameisenstaat. Aber auch die Baukunst zeigt sich anhand eines Wespennestes. Einen "Staat" haben auch die Feuerwanzen errichtet. Farbenprächtig - natürlich - die Schmetterlingsammlung. Zum Fürchten (?): Die Spinnen, darunter eine lebendige Vogelspinne! Als Lebewesen zwischen Pflanze und Tier werden die Pilze dargestellt. Eine reichhaltige Sammlung wartet auf Interessenten. Der Bergbau in der Pfalz, aber auch die Salzgewinnung, ist in Sonderräumen dargestellt. Im übrigen sind wechselnde Sonderausstellungen neben den dauerhaften Sammlungen zu sehen.

Naturfilmfestival

Jährlich wird ein weithin gut angenommenes internationales Naturfilmfestival (das "Naturale") ausgeschrieben. Werkstätten fürs Präparieren, Vortrags- und Schulungsräume, Laboratorien und eine umfangreiche wissenschaftliche Bibliothek (13.000 Fachbücher und Tausende von Periodika und Sonderdrucken)faszinieren nicht nur den Laien.

Museumspädagogen

Vor allem die Museumspädagogen sind sehr gefragt, die mehrmals in der Woche Schulklassen empfangen, Unterricht vor Ort geben sowie als Schwerpunkte ihrer Arbeit die vielfältigen Inhalte und Bildungsmöglichkeiten des Museums fachkompetent und pädagogisch in Veranstaltungen der Lehrerfortbildung umsetzen. In Leseecken, mit Videofilmen und einem eigenen Raum für Kinder ist für die spannende und erlebnisreiche Weiterbildung der Jüngsten gesorgt.

Umweltakademie

Integriert im Pfalzmuseum sind auch Forschungs- und Informationszentrum des Naturparks Pfälzerwald sowie eine Abteilung der Umweltakademie Rheinland-Pfalz.


Informationen:

Pfalzmuseum für Naturkunde
(POLLICHIA-Museum)
Herzogmühle
67098 Bad Dürkheim-Grethen

Geöffnet: täglich außer Montag von 10.00 bis 17.00 Uhr
mittwochs bis 20.00 Uhr

Führungen nach Vereinbarung

Tel.: 06322/9413-0
Email: info@pfalzmuseum.bv-pfalz.de

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