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Seit rund 7000 Jahren arbeiten Menschen mit Waagen und Gewichten - seit 1975 gibt es in Wachenheim an der Deutschen Weinstraße das "1. Private Waagen-Museum" von Elke und Helmut Hofmann. Von der einfachen Holzwaage über die Bahnhofswaage bis hin zur ziselierten englischen Briefwaage umfassen seine rund 450 Stücke und gut 1000 Gewichte (von der 90 kg schweren Eisenkugel bis zum Blättchen von einem Zehntelgramm) fast die gesamte Wiege-Geschichte.
Hofmann (Jahrgang 1939) entdeckte seine Sammlerleidenschaft, als er bei einem Flohmarkt eine üppig verzierte Jugendstilwaage (um 1900) mit einer Majolika-Säule und -waagenbalken (einer Art Porzellan) fand. Die Waagenbalken und Zeiger sind versilbert. Seitdem handelt und feilscht er bei Auktionen und auf Flohmärkten, kauft, tauscht und ersteigert Waagen aus aller Welt und allen Zeiten. Zum Teil muß Helmut Hofmann die Geräte restaurieren oder gar aus Teilen neu zusammenbauen. Systematisch ergänzt er seine Sammlung, die auf rund 120 Quadratmetern in seinem renovierten Bauernhaus - in Vitrinen oder freistehend - zu sehen ist.
Das älteste Stück der Waagensammlung, eine Laufgewichtswaage, hatten schon die Römer in Gebrauch. Höchst eigenartig sieht eine Laufgewichts-Brückenwaage aus Frankreich aus, die von der Jahrhundertwende stammt (man muß sie selbst sehen). Diamanten- oder Goldhändler hatten früher die Karatwaage mit zugehörigen Gewichten in Gebrauch. Übrigens erzählt ein Schild, daß Karat aus dem Arabischen kommt und die Kerne des Johanniskrauts bezeichnete; das griechische Wort Keration steht für Schote. Immer von Interesse, allein wegen des leicht kriminellen Anstrichs: Eine Opiumwaage (um 1700).
Aus einem englischen "Tante-Emma-Laden" stammt wohl eine Krämerwaage. Sie ist mit dem Wappen des Königshauses, dem Löwen und Einhorn, von der Firma W & T Avery. Die Briefwaage aus der viktorianischen Zeit ist ein echtes Schmuckstück der Sammlung. Helmut Hofmann hat es von einem holländischen Sammler erworben. Der Junge ist aus Bronze, der Beschlag aus Messing. Ebenfalls von der Insel stammen eine Reihe von Federwaagen, die Gewichte zwischen 1500 kg und einigen Milligramm ermitteln können.
Schier unerschöpflich scheint der Typenreichtum: Ochsenwaage, Fischwaage, Metzgerwaage, Apotheken- oder Personenwaagen bis hin zu den Wiegeungetümen aus Bahnhofshallen, die dem Nutzer gleich die Karten mit dem Gewicht ausdruckten, umfaßt das Haus. So wundert es nicht, daß Helmut Hofmann auch zu den Gründern des bundesweiten Vereins "Maße und Gewichte" gehört, in dem über 300 Waagen-Experten Mitglied sind. Hofmann hat sich in den 20 Jahren Sammlertum einen guten Blick angeeignet und sieht schnell, ob das Gerät auch echt ist. Exakte Analysewaagen aus wissenschaftlichen Forschungslabors für geringste Gewichte bis hin zu einer Laufgewichts-Waage für Fuhrwerke oder Lastkraftwagen aus 1905, die 10.000 kg schafft (die allerdings steht in einer anderen Halle), zählen zu den interessantesten Sammlerobjekten.
Aufsehen erregt auch seine Jockey-Waage der Firma Young aus London. Dieser Wiegestuhl lädt mit samtbezogenem Sitz und metallischer Mechanik Besucher zum Platznehmen ein. Darauf sitzen lassen möchte heute Helmut Hofmann allerdings lieber niemanden, dafür ist ihm das gute Stück zu wertvoll.
Den Wert der Sammlung kann er nicht schätzen. Er besteht wohl mehr in der Geschichte, in der befriedigten Sammlerleidenschaft und der Anerkennung über das Geschaffene. Mit Stolz berichtet er den Besuchern aus seinem Wissensschatz: Die Urwaage entstand wahrscheinlich vor rund 10.000 Jahren, möglicherweise aus den Wüsten Sahara und Gobi in der Jungsteinzeit. Rund 7000 Jahre sind entsprechende Funde aus dem Niltal. Die frühen Waagen, ausschließlich aus Holz, stammen auch aus der mesopotamischen Ebene zwischen Euphrat und Tigris sowie am Indus. Auch im Gebiet der chinesischen Flüsse Yangtse Kiang und Huangho wollen die Forscher auf frühe Nachweise gestoßen sein. Kain und Moses teilen sich bei den Juden die Erfinderehre, die Griechen nennen Pythagoras oder Hermes, auf Merkur und einen Servius Tullius berufen sich die Römer.
Erstaunen ruft immer wieder die Waage hervor, die aus einem Kloster stammt. Die Mönche bestimmten danach den Gewichtsverlust nach der Fastenzeit. Beim Betrachten der mittel alterlichen Stadtwaage, einer sogenannten "Hexenwaage", gruselt es den Besucher schon einmal, wenn Hofmann die Einzelheiten erzählt.
Eine echte Rarität, erst seit 1992 in seinem Besitz, ist für Helmut Hofmann eine Faßwaage aus Frankreich. Ein Handelsvertreter hat sie in Saarbrücken entdeckt und für das Wachenheimer Museum erstanden. Hofmann restaurierte das gute Stück, das zwar das Eichdatum 1927 trägt, aber älter sein dürfte. Das Gerät wiegt bis zu 1500 Liter genau. Bilder und Grafiken sowie viele erläuternde Texte verdeutlichen die Exponate.
Informationen:
Waagen-Museum Wachenheim
Waldstraße 34
67157 Wachenheim
Geöffnet: Sonntags von 10.00 bis 18.00 Uhr
und nach Vereinbarung.
Tel.: 06322/6 36 75

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