300.000 Euro für sympathische Langohren

Naturschutz und sanfter Tourismus: Förderung für Esel-Beweidungs-Konzept am Höllenberg zwischen Asselheim und Mertesheim sichergestellt / Wichtiger Beitrag zur Sicherung der Artenvielfalt in der Region

 

Stark verbuscht, eine Ansiedlung von seltenen Tieren und Pflanzen kaum möglich, die historischen Trockenmauern und Felswände verschwunden: So lag der Höllenberg zwischen Asselheim und Mertesheim jahrzehntelang im Dornröschenschlaf. Und das, obwohl er überwiegend in einem europäischen Natur- und Landschaftsschutzgebiet für Fauna und Flora (FFH-Gebiet) liegt. Jetzt aber sorgen Esel durch ihr Abfressen dafür, dass die einzigartigen Weinbergterrassen wieder sichtbar geworden sind und seltene Tiere und Pflanzen dort erneut ein Zuhause finden. Die NABU-Ortsgruppe Eisenberg/Leiningerland hat dieses Beweidungskonzept initiiert, der Kreis Bad Dürkheim hat nun gemeinsam mit der SGD Süd dafür gesorgt, dass die Finanzierung bis 2035 gesichert ist. Das erklärte Kreisbeigeordneter Sven Hoffmann bei einem Vororttermin am Dienstag. Rund 300.000 Euro soll das Projekt erhalten.

„Die Gruppe um die Vorsitzende Susanne Bentz und ihre Stellvertreterin Anita Bastian leistet mit diesem Projekt hier einen entscheidenden Beitrag zum Erhalt der Artenvielfalt“, lobte Hoffmann die ehrenamtlichen Naturschützerinnen. Das habe sie auf ihrem 3210 Quadratmeter großen Grundstück bewiesen, wo sich schon wärmeliebende Insekten, insbesondere Wildbienen, und Pflanzen wie die Bocksriemenzunge, eine heimische Orchideenart, angesiedelt haben. Das Beweidungsgebiet soll sich künftig über den gesamten Hang erstrecken und insgesamt rund 150.000 Quadratmeter umfassen.

Weil Unterhalt und Betreuung der Esel, Tierarzt, Unterstand und Zaunanlage sowie maschinelles Vor- und Nacharbeiten aber Kosten verursachen, die nicht allein von den Ehrenamtlichen getragen werden können, hat die Kreisverwaltung nun gemeinsam mit dem NABU ein Finanzierungsmodell erstellt und entsprechende Zuschüsse beantragt.

So stellt die Stiftung Natur und Umwelt Rheinland-Pfalz (SNU) jetzt Mittel in Höhe von knapp 300.000 Euro für das Projekt zur Verfügung. Hiervon sind 68.985 Euro Kreismittel. Rund 230.000 Euro kommen von der Struktur- und Genehmigungsdirektion Süd (SGD, Obere Naturschutzbehörde). Alle Mittel stammen aus Ersatzzahlungen für Eingriffe in Natur und Landschaft – zum Beispiel für den Ausbau der Bahnstrecke Neustadt-Ludwigshafen.

„Es war wichtig, dass die Kreisverwaltung als Untere Naturschutzbehörde diese Gelder für das Beweidungskonzept einwerben konnte, weil sie sonst an andere Projekte in Rheinland-Pfalz geflossen wären“, erklärte Sven Hoffmann. Das Beweidungsgebiet am Höllenberg liegt zu über 90 Prozent innerhalb des sogenannten „FFH-Gebietes Kalkmagerrasen“ zwischen Ebertsheim und Grünstadt und zudem komplett im Biosphärenreservat Naturpark Pfälzerwald. „Die Einordnung in diese zwei Kategorien von Naturschutzgebieten zeigt wie wertvoll die Lage am Höllenberg für die Natur ist“, erläuterte der Kreisbeigeordnete. Auch die SGD sei sich sicher, dass durch die Eselbeweidung wieder mehr gefährdete Tier- und Pflanzenarten in dem Gebiet einen Lebensraum finden werden.

Ein weiterer positiver Nebeneffekt: Die Landschaft wird für Einheimische, aber auch für Gäste durch die künftig wieder stärker sichtbar werdenden Terrassen und Felsen abwechslungsreicher und interessanter. „Das wiederum stärkt den sanften Tourismus in unserer Region. Viele Spaziergänger möchten die sympathischen Langohren ja jetzt schon nicht mehr missen“, so Hoffmann abschließend.


Kreisbeigeordneter Sven Hoffmann (li.) und Heino Meyer von der Unteren Naturschutzbehörde

Begrüßen einen der fleißigen Esel: Kreisbeigeordneter Sven Hoffmann (li.) und Heino Meyer von der Unteren Naturschutzbehörde.


Zur Sache: Was sind Ersatzzahlungen im Rahmen des Bundesnaturschutzgesetzes?

Seit 1973 gibt es ein Gesetz, welches regelt, dass jeder der in die Natur und Landschaft eingreift, einen Ausgleich für bzw. in der Natur schaffen muss. Dies kann beispielsweise eine neu gepflanzte Hecke oder eine Streuobstwiese sein. Ist ein Ausgleich nicht möglich, wie bei einem Bau einer Windkraftanlage, werden Ersatzzahlungen fällig. Diese fließen in einen Topf bei der Stiftung Natur und Umwelt Rheinland-Pfalz, die die Gelder verwaltet und für Naturschutzprojekte zur Verfügung stellt.


(30.10.19)

 
 
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