Mehrere Einrichtungen im Landkreis Bad Dürkheim betroffen

Corona-Lage weiterhin ernst 

 

Während die Inzidenz, also die Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner in sieben Tagen, im Landesdurchschnitt mittlerweile auf unter 100 gesunken ist, liegt der Landkreis Bad Dürkheim seit Wochen regelmäßig bei einem Wert zwischen 110 und 120. „Wir hatten nie einen Wert über 200, auch im Dezember nicht. Aber wir sind auch immer noch über dem Landesdurchschnitt“, erläutert Landrat Hans-Ulrich Ihlenfeld. „Uns erreichen Fragen, wieso das so ist. Leider sind momentan viele Einrichtungen, insbesondere Alten- und Seniorenheime, betroffen.“

Zwar sinken die Ansteckungen im Privatbereich leicht. Doch da mehrere Einrichtungen von Corona betroffen sind, bleibt die Gesamtzahl der Neuansteckungen über eine Woche gesehen fast gleich. Aktuell gibt es Coronafälle im AWO Seniorenhaus Lambrecht, im Seniorenheim Haus Rebental Haßloch, im Theodor-Friedrich-Haus Haßloch, im Leininger Unterhof Grünstadt, im Haus Nikolas Freinsheim und im Boßweilerhof Quirnheim. Außerdem sind in der vergangenen Woche noch das Azurit Seniorenheim in Grünstadt und das Altenzentrum Bürgerspital in Deidesheim mit neuen Fällen hinzugekommen.

„Wird das Virus in einem Altenheim nachgewiesen, ist das Gesundheitsamt direkt zur Stelle. Es werden umfangreiche Hygienemaßnahmen besprochen und vor allem regelmäßig das gesamte Personal und alle Bewohner getestet. Dies wird von den Einrichtungen sehr positiv aufgenommen. Diese häufigen Tests führen dazu, dass wir viele Infektionen – auch symptomlose – entdecken. Das ist wichtig und richtig. Aber so kommen natürlich auch immer wieder Neuinfektionen in die Statistik“, erklärt Landrat Ihlenfeld. Da gerade ältere Menschen ein hohes Risiko haben, schwer zu erkranken, führen die Fälle aus den Altenheimen leider auch zu einigen Todesfällen. Von bisher 96 in Zusammenhang mit Covid-19 verstorbenen Personen lebten 45 in Alten- und Pflegeheimen.

Gerade in Senioren- und Pflegeheimen verbreitet sich das Virus leider häufig schnell. Viele Bewohnerinnen und Bewohner können die Tragweite des Virus nicht begreifen und Isolationsmaßnahmen sind teilweise schwierig umzusetzen. „Die Heime arbeiten an einer Belastungsgrenze. Dennoch sind sie bestrebt, die Hygienemaßnahmen, die man treffen kann, bestmöglich umzusetzen“, sagt Gesundheitsamtsleiterin Silke Basenach.

Umso wichtiger sei es, dass durch regelmäßige Tests positive Mitarbeiter und Bewohner identifiziert und so gut es geht isoliert werden können. „Noch wichtiger ist es, dass das Virus gar nicht erst in ein Heim getragen wird. Ist die Verbreitung in der Gesamtbevölkerung allerdings hoch, so wie in den vergangenen Wochen, ist dies schwieriger. Ein komplettes Besuchsverbot für alle Altenheime, wie im vergangenen Frühjahr, wo selbst gesunde Senioren über Wochen isoliert waren, möchte niemand. Darum ist es wichtig, Besucher und Personal regelmäßig zu testen. Doch auch so können nicht alle Risiken ausgeschlossen werden.“ Ist ein Heim betroffen, ist in der Regel kaum nachvollziehbar, wie das Virus ins Heim kommen konnte. Landrat Ihlenfeld ruft daher alle Alten- und Pflegeheime auf, das Angebot der Bundeswehr anzunehmen, wenn Unterstützung bei den Schnelltests gebraucht werde. Diese Hilfe kann direkt beim Landesamt für Soziales, Jugend und Versorgung beantragt werden. Auch das Deutsche Rote Kreuz kann bei den Schnelltests unterstützen.

„Längerfristig zahlt es sich immer aus, viel zu testen. Hygiene, Testung, Isolation – das ist der Weg, um das Virus einzudämmen“, sagt Basenach.

Stand Impfungen

In allen 16 Alten- und Seniorenheimen im Landkreis Bad Dürkheim hat bereits die Erstimpfung stattgefunden. Das bedeutet rund 2000 Impfdosen für Bewohner und Personal. „Leider bietet die erste Dosis noch keinen vollständigen Schutz. Manchmal waren Bewohnerinnen und Bewohner auch schon vor der ersten Impfung unentdeckt infiziert“, sagt Basenach. Die Zweitimpfungen beginnen in dieser Woche. Organisiert werden die Mobilen Impfteams über das Deutsche Rote Kreuz (DRK). Basenach hofft, dass bis Ende Februar in allen Heimen die schützende Zweitimpfung erfolgt sein werde.

Im Impfzentrum in Bad Dürkheim, Anlaufstelle für Bürgerinnen und Bürger aus Bad Dürkheim, Grünstadt sowie den Verbandsgemeinden Freinsheim, Leiningerland und Wachenheim, konnten schon 1420 Personen ihre Erstimpfung erhalten. Momentan hat das Land die Erstimpfungen vorübergehend ausgesetzt, es finden gerade nur Zweitimpfungen statt. 300 Menschen haben diese bis einschließlich 2. Februar erhalten.

Stand Mutationen

Fünf Prozent aller positiven Coronatests werden als Stichprobe automatisch von den Laboren auf eine Mutation untersucht. Außerdem können bei Verdacht, etwa bei größeren Ausbrüchen, bestimmte Proben auf Mutationen hin untersucht werden. Bisher hat das Gesundheitsamt noch keine Rückmeldung bekommen, dass eine mutierte Variante des Virus im Kreis Bad Dürkheim nachgewiesen wurde.

„Leider ist es wahrscheinlich nur eine Frage der Zeit, bis eine Mutation auch bei uns auftaucht“, sagt Landrat Ihlenfeld. „Auch wenn die Ansteckungen im Privatbereich sinken, müssen wir daher weiterhin achtsam sein und vor allem unsere Kontakte einschränken. Da die Mutanten aller Erkenntnis nach ansteckender sind, könnte sich das Coronavirus noch schneller verbreiten, wenn wir jetzt nicht mehr denn je auf Abstand, Handhygiene und Maske achten. Wir hoffen, dass bald wieder Impfstoff geliefert wird und wir im Impfzentrum Erst- und Zweitimpfungen parallel vornehmen können. Theoretisch sind so 200 Impfungen am Tag möglich. Doch auch mit der Impfung wird uns die Pandemie noch Monate begleiten, darauf müssen wir uns einstellen. Wichtig ist es, vor allem die Schwächsten unserer Gesellschaft zu schützen und mit gemeinsamer Anstrengung die Infektionen in den Altenheimen zu verhindern.“


(02.02.21)

 
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