Stadt Freinsheim

Lebendiges Mittelalter

Die ehemalige kurpfälzische Amtsstadt ist heute Sitz der gleichnamigen Verbandsgemeinde-Verwaltung. Die knapp 5000 Einwohner zählende Stadt ist neben Neuleiningen der einzige Ort in der Pfalz, der noch eine gut erhaltene komplette mittelalterliche Stadtbefestigung mit Toren und Türmen besitzt.

Die frühe Besiedlung der Gegend beweisen Funde aus der jüngeren Steinzeit und der Urnenfelderzeit. Die Römer und die Merowinger hinterließen Spuren. Als Weinbauort wurde Freinsheim erstmals 773 als Schenkung Sigibalds an das Kloster Weißenburg und 774 im Lorscher Kodex (Frainesheim) erwähnt. Vom 10. bis 14. Jahrhundert gehörte Freinsheim mehreren Rittergeschlechtern, ab 1493 der Kurpfalz, was dem Ort 1471 die Stadtrechte brachte. Sie gingen aber 1525 im Bauernkrieg wieder verloren, wurden 1737 neu verliehen und unter französischer Verwaltung wieder aufgehoben (seit 1979 darf sich Freinsheim wieder Stadt nennen).

Die fast vollständig vorhandene Befestigungsanlage wurde im 15. Jahrhundert begonnen und 1514 vollendet. Die 1,3 Kilometer lange Stadtmauer mit Eisentor und Haintor, die einen 300 Meter durchmessenden barocken Stadtkern (1689 abgebrannt) umgibt, ist als Rundgang bei Touristen beliebt. Die Türme sind zum Teil Wohnungen und werden auch als Gästezimmer vermietet.

Beeindruckend sind die zahlreichen Herrenhäuser früherer Adelsgeschlechter. In der Anlage der Herren Retzer befindet sich ein exotischer Park, Sozialstätten wie Seniorenclub oder Bücherei. Der von-Busch-Hof, ein früheres Klostergut, wurde als Kulturzentrum restauriert und ist wie die ganze Stadt ein Beispiel von Stadtsanierung im Rahmen der Städtebauförderung. Erhalten sind auch einige alte Brunnen wie der "Eichbrunnen".

Spätgotisch (vermutlich 1470) ist die evangelische Pfarrkirche St. Peter. Nach Verwüstung im Pfälzischen Erbfolgekrieg wurde sie statt drei- nur noch einschiffig und mit Langhaus statt Halle wiederaufgebaut. Der Westturm ist 44 m hoch. Die katholische Kirche St. Peter und Paul, ein frühklassizistischer Saalbau, birgt Bilder von Paul Egell.


Das barocke alte Rathaus (1732) mit Freitreppe wird heute gerne als Trau-Ort genutzt. Im Süden vor der Stadt liegt das sog. "Schlössel" (1830) auf dem Platz einer ehemaligen Wasserburg. Im Bergfriedhof stand früher eine Kapelle aus 1245, von der nur der quadratische Turm übrigblieb. Immer wieder bewundert: Das "Schwarze Kreuz", ein steinerner Bildstock (Mitte 15. Jahrhundert) an der Straße nach Bad Dürkheim-Ungstein.

Viele Winzerbetriebe existieren in der Stadt, die auf fast 400 Hektar Fläche Weinbau treiben; unter ihnen der größte Winzerverein der Pfalz. Eine gepflegte Gastronomie vom Mehr-Sterne-Hotel bis zur einfachen Pension begründet den hervorragenden Ruf als Fremdenverkehrsgemeinde. Gut markierte Wanderwege führen die Gäste durch Wald und Weinberge. Die Kultur hat ihren hohen Stellenwert in Freinsheim: neben Traditionsfesten und Konzerten (Musikschule, Kreisjugendorchester) gibt es einen Literaturpreis, benannt nach dem bekanntesten Sohn der Stadt, Hermann Sinsheimer (verstorben 1950).


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