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Wirtschaftsforum: Impulse zu Energiewende und Infrastruktur

Mit „Wirtschaftsforum trifft IHK-Tischrunde Mittelhaardt“ war eine Veranstaltung am Dienstag, 13. Oktober, im Weingut Fitz-Ritter in Bad Dürkheim überschrieben. Das Wirtschaftsforum der Strukturentwicklungsgesellschaft des Landkreises Bad Dürkheim und der Sparkasse Rhein-Haardt kooperierte dafür mit der IHK-Tischrunde Mittelhaardt. Mit Entwicklungen zu den Themenbereichen Energiewende und Infrastruktur befassten sich die Vorträge.

Landrat Hans-Ulrich Ihlenfeld begrüßte die rund 70 Gäste und gab in einem Impulsvortrag einen Überblick zu Daten und Fakten über die Wirtschaft im Landkreis Bad Dürkheim. 43,7 Prozent Einpendlern stehen 65,7 Prozent Auspendler gegenüber. Im Landkreis arbeiten rund 48.300 Personen, davon sind 5,8 Prozent in der Landwirtschaft tätig, weitere 18,3 Prozent im produzierenden Gewerbe und 75,9 Prozent im Dienstleistungsbereich, zu dem auch der Tourismus zählt.

Schild mit Veranstaltungstitel und Wegweiser
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Wirtschaftsforum trifft IHK-Tischrunde Mittelhaardt.

Betriebe bewerten Standort im Landkreis positiv

Die Bruttowertschöpfung liegt bei knapp drei Milliarden Euro. Hier entfallen 4,9 Prozent auf Landwirtschaft und Forst, 22,9 Prozent auf das produzierende Gewerbe und 72,2 Prozent auf den Dienstleistungsbereich. „Die Dienstleistungen erbringen also mit großem Abstand den größten Anteil an der Bruttowertschöpfung im Landkreis“, sagte Ihlenfeld.

Die IHK-Umfrage zum Wirtschaftsstandort Pfalz hat ergeben, dass Betriebe mit ihrem Standort im Landkreis Bad Dürkheim überaus zufrieden sind. „Das ist positiv zu bewerten“, betont der Landrat. Im bundesweiten Prognos-Vergleich der Städte und Landkreise belegt der Landkreis Bad Dürkheim allerdings einen Platz im hinteren Drittel. Er verfügt zwar über eine sehr solide wirtschaftliche Grundlage, liegt bei den Merkmalen Dynamik, Wettbewerb und Arbeitsmarkt aber deutlich hinter anderen Regionen.

Landrat: "Infrastruktur und Entbürokratisierung nötig"

„Während in einem Flächenlandkreis wie dem Landkreis Bad Dürkheim Landwirtschaft und Weinbau sowie traditionelle mittelständische Unternehmen im Vordergrund stehen, gibt es bei vielen Städten und deren unmittelbarem Umfeld deutlich schnellere und stärkere Entwicklungen, die für uns in der Form kaum erreichbar sind“, erklärt Ihlenfeld. Mehr Flexibilität sei nötig, um Herausforderungen wie Flächenverbrauch, Energiewende oder Klimaveränderungen mit Hitze und Wassermangel oder Starkregenereignissen adäquat angehen zu können.

Ihlenfeld betonte, es sei wichtig, dass die Rahmenbedingungen im Landkreis für Industrie und Gewerbe attraktiv bleiben. „Dafür braucht es eine gute Infrastruktur, eine gelungene Digitalisierung und Entbürokratisierung“, sagte der Landrat und verwies zugleich auf die schwierige Haushaltssituation der Kommunen und die stetig steigenden Ausgaben im sozialen Bereich, die auch den Etat des Landkreises immer mehr in Schieflage bringen.

Zustand der Infrastruktur im Land

In seinem Grußwort versprach Staatssekretär Markus Wolf, dass die Finanzmittel aus dem Sondervermögen keine zuvor gestrichenen Ausgaben ersetzen, sondern „on top“ ausgegeben werden, um gegen den über Jahrzehnte aufgebauten Sanierungsstau der Infrastruktur im Land vorzugehen. Neben Verkehr und Mobilität seien die kommunalen Finanzen und die Entbürokratisierung die wichtigsten Aspekte, die ihn in seinem neuen Arbeitsalltag als Staatssekretär im Ministerium des Innern, für Integration und Verkehr beschäftigen.

Nicole Rabold, bei der IHK Pfalz Leiterin des Geschäftsbereichs „Infrastruktur und Digitale Wirtschaft“, thematisierte den Zustand der Infrastruktur im Land und verwies auf die Problematik der zunehmend auftretenden, überraschend Vollsperrungen wichtiger Verkehrswege wie der B9 bei Speyer oder der Hochstraßen in Ludwigshafen und der Brücken zwischen Ludwigshafen und Mannheim. „Unerwartete Sperrungen verursachen bei Unternehmen oft hohe Kosten. Wirtschaft braucht aber Planungssicherheit“, erklärte sie.

Herausforderungen bei Netzausbau

Steffen Blaga, bei der IHK Pfalz Leiter des Geschäftsbereichs „Innovation, Umwelt und Existenzgründung“ stellte Ergebnisse des Energiewende-Barometers vor. Darin wird deutlich, dass die Energiewende in der Pfalz noch negativer gesehen wird als im Bund.  Die Unternehmen befürchten durch die hohen Kosten einen Verlust der Wettbewerbsfähigkeit, stellen Investitionen zurück und verlagern Betriebe ins Ausland. „Netze, um die Energie intelligent zu verteilen“, seien nötig.

Gruppenfoto
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Referenten bei "Wirtschaftsforum trifft IHK-Tischrunde Mittelhaardt":  Martin Holaus (IHK Pfalz), Thomas Distler (Sparkasse Rhein-Haardt), Klaus Zimmer, Markus Kempf (beide Pfalzwerke Netz AG), Landrat Hans-Ulrich Ihlenfeld, Steffen Blaga (IHK Pfalz) und Staatssekretär Markus Wolf.

Daran schloss sich der Vortrag von Dr. Klaus Zimmer, Leiter des Netzmanagements bei der Pfalzwerke Netz AG, an. Er sprach über die großen Herausforderungen, vor denen die Netzbetreiber beim Ausbau stehen. Denn die Energie, die Öl oder Gas oder Kohle ersetzen soll, muss künftig über das Stromnetz transportiert werden.

Stark steigende Bedarfe

Die Ansprüche und Bedarfsanmeldungen seien schon hoch gewesen und seit 2023 noch einmal sehr stark angestiegen. Zugleich sei die Möglichkeit weiterer Anschlüsse ans Netz sowohl für Einspeisung als auch für Bezug von Strom aktuell begrenzt. Beispielsweise habe es bei Windenergieanlagen von 2002 bis 2022 Anfragen für insgesamt rund 7100 Megawatt Leistung der Erzeugungsanlagen gegeben. Von 2023 bis 2026 waren es 5200 Megawatt. Vor 2023 lag die üblich angefragte Anschlussleistung bei etwa neun bis zwölf Megawatt, aktuell sind es 24 bis 32 Megawatt, die größte Einzelanfrage liegt bei 115 Megawatt.

Auch Ansprüche an den Bezug von Energie steigen rasant. Ein weiteres Beispiel: Es habe eine Anfrage für ein Rechenzentrum gegeben, das 200 Megawatt Energie benötige. Laut Zimmer nehmen Energieversorger pro Einwohner ein Kilowatt Energie für die öffentliche Versorgung an. Das bedeutet, dass dieses Rechenzentrum den permanenten Energiebedarf einer 200.000-Einwohner-Stadt hätte. Hinzu kommen Zimmer zufolge auch Projekte wie die Ladeinfrastruktur für Nutzfahrzeuge. Hier waren nahe einer Stadt mit knapp 20.000 Einwohnern zusätzliche 20 Megawatt für diese Ladeinfrastruktur angefragt worden.

Ausbau braucht Zeit

Dafür seien die Netze derzeit nicht ausgelegt. Wie schon bei der zuvor angesprochen Infrastruktur gebe es auch beim Netzausbau und damit dem Ausbau der Netzanschlussleistung großen Nachholbedarf, der nicht binnen kurzer Zeit realisierbar sei.

Martin Holaus, bei der IHK für die Tischrunde Mittelhaardt verantwortlich, betonte, die Kammer wolle bei solchen Veranstaltungen vor allem auch im anschließenden Austausch von den Teilnehmenden erfahren, „wo der Schuh drückt“.