Bild von einer zusammengeklappten Zeitung

Neues Betriebsgebäude des AWB in Grünstadt eingeweiht

Der Abfallwirtschaftsbetrieb (AWB) des Landkreises hat am Montag, 26. Januar, sein neues Betriebsgebäude auf dem Gelände des Abfallwirtschaftszentrums (AWZ) in Grünstadt eingeweiht. „Es ist ein weiterer wichtiger Baustein im großen Projekt der eigenverantwortlichen Abfallsammlung“, sagte Landrat Hans-Ulrich Ihlenfeld bei einer Feierstunde. Eine Entstehungsgeschichte.

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Im Werkausschuss im Dezember 2022 ist der Planungsauftrag für den Neubau an das Architekturbüro Dichtl vergeben worden. Wo früher die Rottehalle des Biokompostwerks stand, wurde im September 2024 die Bodenplatte des neuen Gebäudes gegossen. Der vorherige Bau war aber Teil des Problems, weil Bestandsleitungen, Betonbauwerke und Drainageeinrichtungen die Planung verkomplizierten. Deshalb hat sich der Baubeginn stark verzögert.

Gebäude in Holz-Fertigbauweise

Trotzdem rollten im Januar 2025 die großen LKW mit den Teilen des Holz-Fertigbaus an. Das Unternehmen Zimmerei und Holzbau Umminger aus Grünstadt hat sie geliefert. Die maßgeschneiderten Holzbauelemente sind in nur einer Woche auf der Bodenplatte errichtet worden. Bereits wenige Wochen später, Mitte März, konnte der AWB Richtfest feiern.

Bis Ende 2025 wurde fleißig weiter gehämmert, gebohrt und geschraubt. Heizung, Sanitär, Lüftung, Leitungen, Trockenbau, Fenster und Fliesen – nach und nach haben die Handwerker ihre Arbeiten abgeschlossen, bis im Januar nur noch die Programmierung, Testung und Abnahme der Technik anstanden.

AWB baut modern und nachhaltig

Eingeweiht worden ist nun ein modernes und vor allem nachhaltiges Betriebsgebäude. Die inzwischen verputzten Holzaußenwände sind mit Holzfasern gedämmt, die Fenster dreifachverglast. Zwei redundante Wärmepumpen mit Fußbodenheizung und eine Lüftungsanlage mit Wärmerückgewinnung sorgen für ein angenehmes Raumklima in den verschiedenen Nutzungsbereichen. AWB-Werkleiter Klaus Pabst ist zufrieden mit dem Betriebsgebäude, das rund 2,35 Millionen Euro gekostet hat. Vor allem ist er aber überzeugt von der Bauweise: „Wir können nicht ständig von Kreislaufwirtschaft und Nachhaltigkeit sprechen und dann etwas Billiges bauen, das nicht den aktuellen Standards genügt. Darum haben wir sehr viel Wert darauf gelegt, nachhaltig und energieeffizient zu bauen. Das passt zu uns und der Ausrichtung des AWB.“

Das Gebäude verfügt über eine individuell steuerbare Haustechnik mit Wassermanagement, LED-Beleuchtung und variablem Sonnenschutz. All das macht den Bau zum Niedrigenergiehaus der Energieeffizienzklasse A. „Das schlichte Gebäude besticht im Innenraum durch moderne Materialien und klare Strukturen. Im großen Aufenthaltsraum bestimmen die Optik der massiven Holzdecke und die offene Konstruktion den Raumeindruck“, schrieb das Architekturbüro über den Bau. „Von den Leitungen her wäre es auch möglich, noch eine Photovoltaik-Anlage mit 40 Kilowatt/Peak aufs Dach zu bauen“, ergänzte Pabst. 

Eines von drei großen Teilprojekten

In Erdgeschoss und Obergeschoss stehen jeweils rund 200 Quadratmeter zur Verfügung. Unten sind es auf rund 60 Quadratmetern Büroflächen für den Betriebsleiter und die Disponenten und ein rund 90 Quadratmeter großer Aufenthaltsraum mit Teeküche, daneben ein Technikraum und zwei Toiletten. Oben nehmen die Umkleideräume mit je zwei Spinden pro Mitarbeiter 115 Quadratmetern ein, hinzu kommen acht Duschen, sieben Toiletten und vier Urinale.

Der Neubau war mit Personal- und Fahrzeugbeschaffung eines der drei großen Teilprojekte der eigenverantwortlichen Abfallsammlung, die der AWB seit 1. Januar 2024 übernommen hat. „Wir können sehr stolz auf den Verlauf des Gesamtprojekts und die geleistete Arbeit der Kolleginnen und Kollegen beim AWB sein. Betrachtet man die steigenden Kosten für die Drittbeauftragung dieser Entsorgungsleistungen in umliegenden Gebieten, haben wir mit der Übernahme der Abfallsammlung durch den AWB die richtige Entscheidung getroffen. Das AWZ in Grünstadt hat mit dem nachhaltigen, hochmodernen Betriebsgebäude eine bestens ausgestattete Ergänzung bekommen“, betonte der Landrat.

AWB und GML teilen sich Betriebsgelände

Weil klar war, dass das Betriebsgebäude nicht fertig sein kann, wenn der AWB mit eigenen Fahrzeugen und Personal mit der Abfallsammlung startet, sind Disponenten, Fahrer und Lader in einem Provisorium am Standort untergekommen, das der Gemeinschafts-Müllheizkraftwerk Ludwigshafen GmbH (GML) gehört. Die Räume wurden für die Zwecke angepasst und ausgestattet.

Der AWB und die GML teilen sich das Betriebsgelände des AWZ. Diese Teilung ist historisch gewachsen. Die GML hat ab 1992 auf dem heutigen AWZ-Gelände ein Biokompostwerk betrieben und dort die Bioabfälle der Kommunen aus der Vorderpfalz verwertet. Die Gesellschafter der GML sind die Landkreise Bad Dürkheim, Alzey-Worms, der Rhein-Pfalz-Kreis, die Städte Ludwigshafen, Frankenthal, Speyer, Neustadt, Mannheim, die Zentrale Abfallwirtschaft Kaiserslautern (ZAK), eine gemeinsame kommunale Anstalt der Stadt und des Landkreises Kaiserslautern, und der Entsorgungs- und Baubetrieb der Stadt Worms.

Abriss der Rottehalle

2015 änderte sich das Vorgehen bei der Weiterverarbeitung des Biomülls. Im Rahmen einer Kooperation mit der ZAK wurde vereinbart, dass deren Restmüll ins Müllheizkraftwerk nach Ludwigshafen gebracht wird. Im Gegenzug gehen die Bioabfälle aus der Vorderpfalz in die neue Bioabfallverwertungsanlage in Kaiserslautern. Mit diesem Vorgehen war die Auslastung der Anlagen in Ludwigshafen und Kaiserslautern gesichert. Die technisch veraltete Rottehalle konnte abgerissen werden.

Im gleichen Jahr übernahm der AWB die operative Tätigkeit am Standort. Seit 2016 schlägt der AWB die Bioabfälle aus der Vorderpfalz am AWZ in Grünstadt um und betreibt dort auch eine Grünschnittsammelstelle. 2017 kam der Umschlag von Altpapier und Altglas hinzu. Seit 2019 befindet sich am AWZ auch ein gut erreichbarer Wertstoffhof.

Mehr als 60 Personen arbeiten am Standort

Bei all diesen Aktivitäten scheint die Stationierung der Abfallsammlung des Landkreises mit 20 Sammelfahrzeugen und zwei Containerfahrzeugen für die betriebseigenen Transporte der vier Wertstoffhöfe des AWB eine fast schon logische Konsequenz für die Weiterentwicklung des AWZ in Grünstadt. Insgesamt arbeiten dort inzwischen mehr als 60 Personen an der Entsorgung des Abfalls der Bürgerinnen und Bürger im Landkreis. „Wir freuen uns, dass unsere Mitarbeitenden ab sofort in einem modernen Betriebsgebäude arbeiten können. Sanitäranlagen, Umkleiden, Büros und Aufenthaltsräume sind auf dem neusten Stand“, erklärt Pabst.