Frau mit Mundschutz

Tage der seelischen Gesundheit 2024/25: Die M-Power-Tour

Die M-Power-Tour: Rap-Projekt mit viel Wirkung

Zwei Rapper vor einem Van.
Die Rapagogen – am Mikrofon Simeon Klein – waren mit ihrem Jam Van im Landkreis unterwegs. 

Mit Intensiv-Workshops in den Herbstferien ist das Projekt „M-Power-Tour“ der Rapagogen im Landkreis Bad Dürkheim zu Ende gegangen. Die Tour war Teil der Tage der seelischen Gesundheit, die sich in diesem Jahr an Kinder und Jugendliche gerichtet haben. Dafür kooperierten die Rapagogen mit der Koordinierungsstelle für Gemeindepsychiatrie und den Jugendämtern des Landkreises Bad Dürkheim und der Stadt Neustadt

Entstanden sind dabei unter anderem vier Songs, die die Kinder und Jugendlichen mit Unterstützung der Rapagogen geschrieben und dann auch eingesungen haben. Außerdem gibt es jetzt auch eine Video-Doku rund um die Intensiv-Workshops der M-Power-Tour sowie vertonte Texte der Jugendlichen, die die Rapagogen eingesungen haben. Die folgenden Links führen zum YouTube-Kanal der Rapagogen: 

 "Mein Herz ist gebrochen"

 "Möglichkeit"

 "Klein Groß" 

 "Mein Song"

 Dokumentation Rap-Workshops im Jugendhaus Grünstadt und im Jugendcafé Neustadt

 M-Power-Tour-Songs – Texte der Jugendlichen, vertont von den Rapagogen

Die Rapagogen sind Teil der Who.am.I-Creative-Academy in Altrip. Acht Tage lang waren sie mit ihrem Jam Van, einem fahrenden Musikstudio, im Landkreis unterwegs. Sie haben Schulen und Jugendtreffs besucht und mit Kindern und Jugendlichen getextet und gerapt. Danach folgten zwei dreitägige Workshops in Neustadt und Grünstadt. Ziel war, mit der Kraft und Kreativität, die in Musik stecken, Jugendliche abzuholen und mit Themen wie mentaler Stärke, psychischen Belastungen und seelischer Gesundheit in Berührung zu bringen.

Geschützter Rahmen für schwieriges Thema

„Wir wollten Jugendlichen mit den Intensiv-Workshops einen geschützten Rahmen geben, um sich kreativ mit dem Thema der seelischen Gesundheit auseinanderzusetzen. Stress, Angst, die eigene Identität – Musik ist ein tolles Medium, das wir hier nutzen, um Tabus zu brechen und psychische Erkrankungen zu entstigmatisieren“, erklärt Melanie Krebs, die die Koordinierungsstelle für Gemeindepsychiatrie beim Landkreis innehat. 

Im Haus der Jugend in Grünstadt wurde beispielsweise kurzerhand das Obergeschoss zum Tonstudio umfunktioniert. Rapagoge Marco Weßling coachte die Jugendlichen am Mikrofon, sein Kollege Simeon Klein war am Mischpult und Murat Bilir fing alles mit seiner Kamera ein. „Es war eine superintensive Arbeitsarbeitsatmosphäre und man merkte, dass die Rapagogen nicht nur Pädagogen, sondern auch Vollblut-Rapper sind“, erzählt Krebs vom Workshop in Grünstadt.

"Das was du rapst, musst du fühlen"

Für die Jugendlichen gab es Unterstützung, damit ihre teils düsteren Raplines auch gut rüberkamen und die richtigen Sprechpausen im Song eingehalten wurden. „Das was du rappst, musst du in dem Moment auch fühlen“, gab Klein einen Tipp, „sonst klingt es nicht authentisch“. Die Nachwuchsrapper Arslan, Tomás, Fabian, Barat und Enes haben nacheinander ihre selbst verfassten Zeilen gerappt, Klein fügte alles mit den passenden Beats zusammen.

Die fünf Jugendlichen waren zusammen zum Workshop gekommen und fanden es eine tolle Erfahrung, mit ihren Freunden einen eigenen Song zu produzieren. „Normalerweise hören wir gemeinsam Musik, das ist jetzt schon etwas Besonderes. Die Rapagogen sind supernett und man muss sich wegen nichts schämen. Es war das Beste und ein Gänsehaut-Moment, als wir am Ende den fertigen Song hören konnten, unseren Song!“, da sind die Jungs sich einig.

Video-Doku zum Projekt

Insgesamt haben an den beiden Workshops 20 Kinder und Jugendliche teilgenommen. Es sind mehrere Rapsongs entstanden, die einem Dokumentationsfilm als Soundtrack dienen. Darüber hinaus wurden an der M-Power Tour über 100 Vierzeiler getextet, die im Nachgang von den Rapagogen vertont wurden. 

Die Rapagogen zogen am Ende ein positives Fazit. „Wenn man sieht, wie viel Hilfe die Kinder eigentlich brauchen und wie wenig sie tatsächlich in dem Moment bekommen, motiviert uns das“, verrät Weßling, der es „krass findet, wie sehr die Kids an uns hängen auch Wochen nachdem wir mit ihnen zusammengearbeitet haben“. Denn wer will, kann sich jederzeit via Instagram bei den Rapagogen melden. Klein berichtet von der großen Dankbarkeit der Jugendlichen dafür, „dass wir ein offenes Ohr für sie haben und an sie glauben“.

Intensive Tour im Landkreis

Kameramann Bilir ergänzt: „Es ist faszinierend, mitzubekommen, wie Kinder in kürzester Zeit aus sich herauskommen und diese positive Entwicklung auch selbst bemerken.“ Für Klein hat der Erfolg der Rapagogen einen einfachen, aber wirkungsvollen Grund: „Egal, was man macht, man muss die Dinge mit Leidenschaft und Herzblut machen. Das schafft Vertrauen bei den Kids. Und man muss dem anderen Respekt entgegenbringen. Dann erhält man selbst Respekt.“

Das hat geklappt, wie Weßling berichtet: „Die Tour war sehr intensiv. Man hat so viele unterschiedliche Charaktere mit den gleichen, aber auch ganz unterschiedlichen Problemen kennengelernt. Es war Wahnsinn, wie schnell sich die Jugendlichen geöffnet und auch über richtig harten Themen wie zum Beispiel den Tod eines Elternteils gesprochen haben.“ Er erzählt auch von aufwühlenden Erlebnissen: „Ein Mädchen hat einen Vierzeiler über eine sehr belastende Situation in der Familie verfasst. Die Lehrerin sagte hinterher, sie versucht, seit einem halben Jahr herauszufinden, was das Kind bedrückt – jetzt weiß sie es endlich.“

Jugendzentren stärken als Mittel gegen Einsamkeit

„Unser Ziel war es mit der M-Power-Tour auch, Jugendzentren zur stärken und für Jugendliche attraktiver zu machen. Gerade Einsamkeit ist bei jungen Menschen immer wieder ein Thema und begünstigt psychische Erkrankungen. Ein vorhandenes, gutes Mittel gegen Einsamkeit sind eben Jugendzentren. Dort kann man sich treffen, Spaß haben, aber auch mal über Sorgen oder Belastungen sprechen“, sagt Krebs.